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KOMMENTAR ZUM TV-DUELL: Das bizarrste Duell der Geschichte

Donald Trump hat die zweite Debatte überlebt. Jeder andere Ausgang hätte die Republikaner dazu bewegt, sich nach einem Ersatzkandidaten um zu schauen. Dennoch landete seine Kontrahentin Hillary Clinton einen Punktsieg.
Thomas Spang/Washington
Donald Trump (links) deckt seine Kontrahentin im Kampf um die US-Präsidentschaft in der zweiten TV-Debatte mit Vorwürfen ein. (St.Louis, 9. Oktober 2016) (Bild: Keystone)

Donald Trump (links) deckt seine Kontrahentin im Kampf um die US-Präsidentschaft in der zweiten TV-Debatte mit Vorwürfen ein. (St.Louis, 9. Oktober 2016) (Bild: Keystone)

Trump hat alles getan, den harten Kern seiner schrumpfenden Basis bei der Stange zu halten. Der lebt wie der Kandidat selbst in einem alternativen Universum. In dieser Welt ist es normal darüber zu phantasieren, Hillary Clinton wegen der Email-Affäre ins Gefängnis zu werfen. Dass Trump dies vor Millionenpublikum aussprach, dürfte seine Basis ebenso begeistert haben, wie das der Kandidat sie als “Teufel” bezeichnete.

Bei den strategisch wichtigen Wählergruppen in den alles entscheidenden Swing-States hat sich Trump damit weiter geschadet. Wie die Wähler dort auch das Eingeständnis nicht schätzen dürften, dass der Milliardär über Jahre keine Einkommenssteuern bezahlt hat. Der Kandidat bekräftigte mit seinem Gerede über die strafrechtliche Verfolgung eines politischen Gegners den Eindruck, nicht ein Konservativer der alten Schule, sondern ein Bananen-Republikaner zu sein. Ein trauriger Tiefpunkt für die politische Kultur der USA.


"Gerede in der Garderobe"
Seine Körpersprache und das aggressive Auftreten gegenüber Clinton und der Co-Moderatorin wirkten bedrohlich. Zusammen mit dem schwachen Versuch, die sexuelle Belästigung einer verheirateten Frau als Gerede in der Umkleidekabine vergessen zu machen, hat er sich den bisher unentschiedenen Wählerinnen in den Vororten nicht empfohlen.

Clinton versäumte es, Trump in der Debatte K. O. zu schlagen, siegte aber nach Punkten. Das lässt die Republikaner mit einem grossen Problem zurück. Die Partei bleibt nun bis zum 8. November dem Monster ausgeliefert, das sie selber geschaffen hat. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Trump den Konservativen damit nicht nur das Weisse Haus, sondern auch die Mehrheit im Senat kostet.

In jedem Fall wird diese Debatte in St.Louis als das bizarrste Duell in die Geschichte amerikanischer Wahlkämpfe eingehen. Ein Spektakel gewiss, inhaltlich aber alles andere als befriedigend.

ausland@tagblatt.ch

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