KOMMENTAR
Öl-Embargo kommt mit Risiken und Nebenwirkungen – aber Europa zeigt Mut

Die Folgen eines Öl-Embargos auf die europäischen Konsumenten und die Wirtschaft im Allgemeinen könnten schwerwiegend werden. Trotzdem ist der Schritt richtig.

Remo Hess, Brüssel
Remo Hess, Brüssel
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"Kein Geld für Mörder" - Aktivisten projizieren anti-Kriegs Slogan ans russische Konsulat in Frankfurt.

"Kein Geld für Mörder" - Aktivisten projizieren anti-Kriegs Slogan ans russische Konsulat in Frankfurt.

Keystone

Nachdem die stärkste europäische Volkswirtschaft Deutschland ihren Widerstand aufgegeben hat, ist der Weg frei für ein Öl-Embargo gegen Russland. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein solches am Mittwoch vorgeschlagen.

Der Schritt kommt mit vielen Unwägbarkeiten: Wie wird sich der Weltmarkt verhalten? Werden die Preise weiter durch die Decke gehen und wird Europa in die Rezession schlittern? Werden die Bürgerinnen und Bürger angesichts der schwindenden Kaufkraft die Sanktionen noch mittragen oder kommt es zum Aufstand? Und die vielleicht entscheidende Frage: Lässt sich Russlands Präsident Wladimir Putin überhaupt im Geringsten beeindrucken?

Es gibt Zweifel. Auch mit einem Öl-Embargo wird das Morden in der Ukraine weitergehen. Explodieren die Weltmarkpreise könnte Russland seine Gewinne sogar noch steigern und an den Sanktionen Kasse machen. Kurz: Es besteht die Gefahr, dass sich die EU mit dem Embargo vor allem selbst schadet.

Trotzdem ist der Entscheid richtig. Es ist für den Westen schlicht nicht erklärbar, dass man Waffen in grossen Mengen in die Ukraine schickt und Solidaritätsbesuche in Kiew abstattet, während man gleichzeitig Milliarden in Putins Kriegskasse einzahlt. Mit diesem Russland darf Europa, und dazu gehört selbstverständlich auch die Schweiz, eigentlich gar keine Geschäfte mehr machen. Bleibt noch das Gas. Hier ist der Ausstieg schwieriger und nicht von heute auf morgen zu schaffen. Aber auch er wird kommen.

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