KOMMENTAR: "Der amerikanische Lebensstil ist nicht verhandelbar"

"Europa muss enger zusammenrücken, mehr Selbstbewusstsein entwickeln - und beim Klimaschutz die Themenführerschaft übernehmen", schreibt Auslandredaktor Urs Bader zum Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen.

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Donald Trump verkündete gestern, dass die USA aus dem Pariser Abkommen austritt. (Bild: Andrew Harnik (AP))

Donald Trump verkündete gestern, dass die USA aus dem Pariser Abkommen austritt. (Bild: Andrew Harnik (AP))

Die USA waren, wenn es um den Klimaschutz geht, schon immer ein schwieriger Partner. «Der amerikanische Lebensstil ist nicht verhandelbar», sagte Präsident George Bush senior, als 1992 in Rio die UNO-Weltklimakonvention verabschiedet wurde, die die Reduzierung der Treibhausgase verlangte. Sein Sohn George W. Bush nannte als Präsident später das Kyoto-Protokoll «ungerecht und inneffizient» und stoppte dessen Ratifizierung. Es trat 2005 ohne die USA in Kraft. Erst Präsident Barack Obama sah die Dinge anders - und mit ihm die chinesische Führung. Dies ermöglichte schliesslich im Dezember 2015 das Pariser Klimaabkommen. Das will nun Donald Trump für die USA kündigen und neuverhandeln.

Dieser Entscheid ist nicht gut für den Klimaschutz, in praktischer und symbolischer Hinsicht. Zum Klimaschutz müssten alle Staaten maximal viel beitragen, sollen die Pariser Ziele erreicht werden. Der neue französische Präsident Emmanuel Macron brachte das Problem auf den Punkt: «Es gibt keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt.» Der Wandel in der Klimapolitik ist zeitraubend, kompliziert und wird von Rückschlägen begleitet, ebenso der Transferprozess bei der Nutzung verschiedener Energiequellen. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für andere Länder, die Schweiz eingeschlossen. Umso dringlicher ist es, dass der Klimaschutz nicht mutwillig und kurzsichtig sabotiert wird, nur um eine Wählerklientel zufriedenzustellen.

Trumps Entscheid zieht auch einmal mehr seine Vertrags- und Bündnistreue in Zweifel, wie es schon sein Verhalten gegenüber dem Verteidigungsbündnis Nato getan hat. Können sich die Partner der USA noch auf die Supermacht verlassen? Die Antwort darauf kann nur heissen: Europa muss enger zusammenrücken, mehr Selbstbewusstsein entwickeln - und beim Klimaschutz die Themenführerschaft übernehmen. Dies wenn nötig auch mit neuen Partnern. In den Fokus rückt beim Klimaschutz China. Dies wäre noch vor kurzem nicht vorstellbar gewesen. Und China wird nicht so dumm sein, die Chancen, die sich ihm international eröffnen, ungenutzt zu lassen.

Für Europa bleibt es gleichwohl unabdingbar, mit den USA im Gespräch zu bleiben und nicht fahrlässig Porzellan zu zerschlagen. China ist noch in verschiedener Hinsicht ein unberechenbarer und eigennütziger sowie politisch fremder Partner. Doch weil es keinen Planeten B gibt, müssen Zweckbündnisse erlaubt sein.

Urs Bader
urs.bader@tagblatt.ch