Jair, der unerschütterlich Dumme: Brasiliens Präsident ist grad der gefährlichste Mann der Welt

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält das Virus für eine Verschwörung. Seine Anhänger gehen auf die Strasse – sie sind bereit, zu sterben.

Philipp Lichterbeck, Oaxaca de Juárez
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Die Anhänger des brasilianischen Präsidenten haben den Ernst der Lage nicht kapiert.

Die Anhänger des brasilianischen Präsidenten haben den Ernst der Lage nicht kapiert.

Bild: Silvia Izquierdo/AP

In Brasilien droht die Corona-Virus-Pandemie ausser Kontrolle zu geraten. Der simple Grund: Präsident Jair Bolsonaro. Am Sonntagabend hatte das rechtsextreme Staatsoberhaupt der grössten Nation Lateinamerikas seinem eigenen Gesundheitsminister widersprochen. Dieser hatte vor Menschenansammlungen gewarnt. Bolsonaro konterte, dass es falsch sei, die Spiele der brasilianischen Fussballligen abzusagen. Der Fussballverband solle weiter Eintrittskarten verkaufen.

In Brasilien waren am Dienstag 234 Menschen an Covid-19 erkrankt, allein am Sonntag wurden 79 neue Fälle gemeldet. Sobald das Virus die dicht bevölkerten Favelas des Landes erreicht, werden die Fallzahlen rasant ansteigen. Trotzdem bevölkerten am Wochenende immer noch Zehntausende Menschen die Bars und Diskotheken der Vergnügungsviertel. Hunderttausende gingen an die Strände und drängelten sich in Bussen und Metros.

Bolsonaro sollte eigentlich in Quarantäne sein

Präsident Bolsonaro scheint die ganze Corona-Krise als persönlichen Angriff auf seine Person zu verstehen. Deutlich wurde dies, als er sich am Sonntag vor dem Präsidentenpalast mit Hunderten seiner Fans umgab. Er schüttelte Hände und machte Selfies mit den Smartphones, die ihm gereicht wurden. Dabei steht Bolsonaro selbst im Verdacht, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Rund ein Dutzend Menschen, mit denen er kürzlich Kontakt hatte, sind positiv auf das Virus getestet worden.

Zwar hat ein erster Corona-Virus-Test ein negatives Ergebnis für den 64-jährigen Bolsonaro ergeben. Dennoch sieht das WHO-Protokoll vor, dass er sich rund zwei Wochen in Quarantäne begeben und weiteren Test unterziehen sollte.

Das Signal, das Bolsonaro sendet, ist klar: Er schert sich nicht darum, ob er zu einer Gefahr für andere werden könnte. Umso weniger kümmert es ihn, ob andere Bürger sich gegenseitig infizieren. In mehreren Städten Brasiliens strömten am Sonntag Tausende Bolsonaro-Fans auf die Strassen, um gegen den Kongress zu demonstrieren, der angeblich die Agenda des Präsidenten behindere. Viele forderten einen Militärputsch und die Auflösung des Kongresses. Auf einem Transparent stand: «Covid-19 kann kommen. Wir sind bereit, für den Hauptmann zu sterben.»

Die grösste Gefahr kommt von den Kirchen

Zu allem Überfluss hat nun auch der Führer einer der grössten evangelikalen Kirchen Brasiliens, Edir Macedo, das Virus als harmlos bezeichnet. In einem Video stellte der Bolsonaro-Unterstützer Covid-19 als Werk der Medien und des Satans dar. Macedos Universalkirche vom Reich Gottes hat Zehntausende Tempel in ganz Brasilien, sie besitzt einen landesweiten TV-Sender und Dutzende Radiostationen. Brasilien könnte also bald zum nächsten Hotspot der Pandemie werden.

Daran dürften auch die vorhandenen lokalen Initiativen gegen das Virus nichts ändern. In der Zwölf-Millionen-Metropole São Paulo etwa wurde der Notstand erklärt, woraufhin es in fünf Gefängnissen zu Massenausbrüchen kam. Die Gefangenen waren auf die nun verbotenen Besuche der Verwandten angewiesen, um überhaupt an Nahrungsmittel zu kommen.

Brasilien tut sich auch deswegen schwer mit einer angemessenen Reaktion auf die Corona-Gefahr, weil hier Millionen von Menschen im informellen Sektor arbeiten und etwa vom Strassenverkauf leben. Ein Einkommensverlust, etwa bei einer möglichen Ausgangssperre, würde ihre Existenz binnen weniger Tage bedrohen.

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