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Ein Komiker duelliert sich bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen mit Poroschenko

Nach ersten Prognosen kommen der Komiker Wolodimir Selenski und Amtsinhaber Petro Poroschenko in die Endrunde der Präsidentenwahl. Julia Timoschenko sieht sich dennoch vor dem Staatspräsidenten.
Paul Flückiger, Warschau
Der ukrainische Komiker und Präsidentschaftskandidat Wolodimir Selenski in einem Wahllokal in Kiew. (Bild: Emilio Morenatti/AP, 31. März 2019)

Der ukrainische Komiker und Präsidentschaftskandidat Wolodimir Selenski in einem Wahllokal in Kiew. (Bild: Emilio Morenatti/AP, 31. März 2019)

Der Favorit Wolodimir Selenski hat laut Wahlbefragungen von vier Meinungsforschungsinstituten die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine klar für sich entschieden. Im Durchschnitt kann der 41-jährige TV-Komiker mit rund 30 Prozent der Stimmen rechnen. Diese werden erst im Verlaufe des Montags fertig ausgezählt. Auf dem zweiten Rang konnte sich gemäss allen Prognosen Amtsinhaber Petro Poroschenko (53) platzieren. Er sollte demnach rund 18 Prozent der Stimmen erreichen und Julia Timoschenko (58) um 4 Prozentpunkte überflügeln. Zwischen den beiden war ein harter Zweikampf um den Einzug in die Endrunde erwartet worden.

Erstaunlich gut geschlagen hat sich mit rund 10 Prozent der einst Janukowitsch-treue Juri Boyko vom gemässigt prorussischen «Oppositionsblock». Ihm schenkten vor allem die Wähler in dem noch von den Regierungstruppen kontrollierten Donbas und dem Gebiet um seine Heimatstadt Charkiw ihre Stimme. Auf 7,5 Prozent kommt der ehemalige Verteidigungsminister Anatoli Hrytsenko und auf 6,5 Prozent Igor Smeschko, ein einstiger Botschafter in Bern. Die beiden könnten ihre Wähler in drei Wochen dazu auffordern, ihre Stimme Poroschenko zu geben.

Timoschenko sieht
sich vor Poroschenko

Dem Verdikt der Wahlbefragungen widersprach bereits eine halbe Stunde nach Urnenschluss Julia Timoschenko. Freudig erklärte die ewige Widersacherin aller Staatspräsidenten seit 2000, sie habe den Einzug in die Endrunde geschafft und Poroschenko geschlagen. Laut Timoschenko verfügt ihre Partei Batkiwtschina (Vaterland) über erste Resultate der tatsächlichen Stimmenauszählung, die ihr 20,9 Prozent geben. Poroschenko soll demnach nur auf 17,5 Prozent gekommen sein, der Komiker Selenski mit 27 Prozent die erste Runde gewonnen haben. Grundsätzlich war in Kiew erwartet worden, dass Timoschenko den Vorwurf der Wahlfälschung erheben würde.

Dies übernahm indirekt an ihrer Stelle Innenminister Arsen Awakow, der sich vor ein paar Monaten mit dem Staatspräsidenten überworfen hat und nun auf Seiten Timoschenkos steht. Laut Awakow gingen in den ersten zehn Stunden des Urnengangs 1600 Klagen wegen Wahlgesetzesbruch beim Innenministerium ein. Sie betreffen unerlaubte Agitation vor und in den Wahllokalen, versuchter Stimmenkauf und Urnendiebstahl. Laut der regierungstreuen Zentralen Wahlkommission wiederum ist es am Sonntag «zu keinen systematischen Verfälschungen» gekommen.

Bereits am Sonntagmittag zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Die 39 Millionen Stimmberechtigten konnten zwischen 39 Kandidaten wählen. Bei einigen von ihnen handelt es sich jedoch nur um sogenannte «technische Kandidaten», die von den drei Hauptlagern ins Rennen geschickt wurden, um dem Gegner Stimmen abzuluchsen.

Neuling soll mit Herrschaft der Oligarchen aufräumen

So hatte Timoschenkos Batkiwtschina etwa indirekt mit der Partei verbandelte Kandidaten, die ein ähnliches Programm wie Poroschenko propagierten. Eine ähnliche Strategie dürfte das Regierungslager rund um Poroschenko gegen Timoschenko eingesetzt haben. Andere Kandidaten versuchten, sich bereits für die Wahlen vom Herbst zu positionieren.

Komiker Selenski zog vor allem Stimmen jüngerer Ukrainer auf sich, die enttäuscht von der Maidan-Revolution sind und von Selenski nun den Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption und die Herrschaft der Oligarchen erwarten. Dass der Politikneuling selbst eng mit dem superreichen Geschäftsmann Ihor Kolomojski verbunden ist, störte sie dabei nicht. Kaum jemand kann sich in der Ukraine vorstellen, dass Politik sauber und frei von Geschäftsinteressen sein könnte.

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