König Abdullah warnt Israel vor «Spiel mit dem Feuer»

Ungewohnt heftig hat König Abdullah II. die israelische Siedlungspolitik kritisiert. Das Land müsse sich jetzt zwischen Krieg und Frieden entscheiden.

Michael Wrase
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König Abdullah II. (Bild: epa)

König Abdullah II. (Bild: epa)

Limassol. Am Donnerstag rief König Abdullah die Chefredaktoren der grossen jordanischen Tageszeitungen in seinen Palast und verkündete – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen – seine Meinung zum Stand des Nahost-Friedensprozesses. Die fortgesetzte israelische Siedlungspolitik sei ein «Spiel mit dem Feuer», sagte der König. Wenn Israel so weitermache wie bislang und Tausende von neuen Wohnungen auf umstrittenem Gebiet errichte, werde es schon bald zu einem neuen Kreislauf der Gewalt kommen, dessen Preis dann die ganze Welt bezahlen müsse.

Land zwischen Fronten

König Abdullah ist an sich ein Politiker der leisen Töne. Aus Erfahrung hat er gelernt, Entwicklungen im Nahen Osten zu beobachten, ohne diese gleich zu kommentieren. Denn sein Haschemitisches Königreich liegt zwischen den Fronten: Im Osten das unruhige Irak, in dem pro-iranische Kräfte die Oberhand gewinnen könnten – und im Westen Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete, auf die Jordanier ganz genau schauen.

Viele Jordanier stammen aus Jericho, Nablus oder Jerusalem, haben dort Verwandte oder besitzen Land, auf dem einmal ein Palästinenserstaat entstehen soll, mit Jerusalem als Hauptstadt.

Abdullah am Ende der Geduld

In der heiligen Stadt war der Urgrossvater Abdullahs 1952 vor der Al-Aqsa-Moschee ermordet worden, weil er schon damals Frieden zwischen Israeli und Arabern stiften wollte. König Hussein, Abdullahs Vater, unterzeichnete dann vor 16 Jahren einen Friedensvertrag mit Israel.

Diesem Frieden fühlt sich auch Abdullah verpflichtet. Immer wieder hat er die Palästinenser zur Geduld ermahnt. Hinter den Kulissen wies er in Washington und Tel Aviv aber stets auf den Ernst der Lage hin. Jetzt erklärt König Abdullah, sein Volk könne das Verhalten der israelischen Nachbarn nicht länger tolerieren.

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