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«Köbi, wir danken dir für alles» – bewegende Abschiedsfeier für die Fussballlegende im Grossmünster

800 Fans und Angehörige haben sich am Freitag in Zürich von Köbi Kuhn verabschiedet.

Thomas Renggli
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Köbi Kuhn hinterlässt eine schwer zu schliessende Lücke. (Bild: Keystone)

Köbi Kuhn hinterlässt eine schwer zu schliessende Lücke. (Bild: Keystone)

Es war wahrlich kein perfektes Fussballwetter an diesem Freitag in Zürich: trüb, windig, nass. Doch just, als die Gedenkfeier zu Ehren von Jakob «Köbi» Kuhn begann, schickte die Sonne einen letzten Gruss durch die Wolkendecke. Auf dem Altar der voll besetzten Grossmünsterkirche lächelte der Verstorbene von einem grossen Portraitfoto – umrahmt von elf Kränzen. Alexander Frei, der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, richtete seine Worte stellvertretend für all seine Fussballkollegen an den Verstorbenen: «Herr Kuhn, wir sind Ihnen ewig dankbar. Sie kamen als Legende, Sie waren eine Legende und Sie gingen als Legende.»

In der vordersten Reihe sassen Köbis Schwestern Doris, Marianne und Ruth – daneben Jadwiga, seine Ehefrau. Menschen aus allen Schichten und Himmelsrichtungen waren gekommen, um Köbi Kuhn die letzte Ehre zu erweisen. Altbundersrat Samuel Schmid, Nationaltrainer Vladimir Petkovic, die Basler Grössen Marco Streller, Benjamin Huggel und Alex Frei, Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter, die gesamte FCZ-Prominenz von gestern und heute. Die Fans der Südkurve ehrten den Verstorbenen mit einer riesigen Fahne. Ein Mann stellte sich mit einem liebevoll verzierten Fussball neben die Eingangspforte: «Ich bin seit 62 Jahren Köbi-Kuhn-Fan.»

Es waren aber auch auffällig viel junge Leute unter den Trauergästen. Manch einer in der Kirche hatte Köbi Kuhn wohl nie selber spielen gesehen. Doch der Aura des Verstorbenen konnte sich niemand entziehen. FCZ-Trainer Ludovic Magin beschrieb es mit rührenden Worten: «Herr Kuhn war ein echter Mann des Volkes: offen, ehrlich, bodenständig. Ich wäre für ihn durchs Feuer gegangen.»

Köbi Kuhn soll in Zürich einen eigenen Platz erhalten

Sepp Blatter strich die nationale Bedeutung Kuhns hervor: «Köbi Kuhn war die erfolgreichste und populärste Persönlichkeit im Schweizer Fussball. Nicht nur mit seinen sportlichen Qualitäten berührte er die Menschen. Vor allem seine menschliche Seite hob ihn von der breiten Masse ab. Wer bei uns das Attribut national erhält, gehört sozusagen zum Adel.»

Regierungsrat Mario Fehr wandte sich direkt an Kuhn: «Auf dem Pausenplatz wollte ich immer so spielen wie du. Leider hat es mir nicht gereicht. Aber als Fan reiste ich dir fast jedes Wochenende nach. Kaum einmal bin ich stolzer aus Bern zurückgekehrt als nach dem Cup-Sieg gegen Servette 1976.» Stadtrat Filippo Leutenegger versprach ein ewiges Andenken an Kuhn: «Er wird in Zürich ein Denkmal oder einen nach ihm benannten Platz erhalten.»

Grossmünster-Pfarre Christoph Sigrist bezeichnete den Tod Kuhns als Ende einer Ära für das ganze Land. Bei allen Rednern wurde deutlich, dass mit Köbi Kuhn ein Mensch gegangen ist, der trotz seiner Erfolge immer bescheiden blieb.

Ein Kind von Traurigkeit war Köbi Kuhn aber nie. Dies schätzten auch seine Spieler. Ludovic Magnin erzählt, wie er Nationalcoach Kuhn im Namen der Mannschaft fragen musste, ob noch ein Abstecher in die Disco erlaubt sei. Die Antwort des Trainers: «Nein, auf keinen Fall. Aber ich schlafe tief – sehr tief.» Alex Frei ergänzte: «Herr Kuhn sagte: Ihr dürft weg, aber lasst euch nicht erwischen.» Auch der Basler strich die Empathie Kuhns hervor: «Was andere in Managementkursen lernen müssen, hat Herr Kuhn mit seiner Intuition gemacht.»

So liess die Trauerfeier trotz düsteren Orgelklängen eine Spur Fröhlichkeit und Heiterkeit zu. Es dürfte im Sinne von Köbi Kuhn gewesen sein – genauso wie die Schlussminuten der Zeremonie mit der ersten Strophe der Schweizer Nationalhymne und einer symbolischen Trauerminute. Dann beendete Pfarrer Sigrist «das Spiel in der Kirche» – um gleich die nächste Partie anzupfeifen: «Jetzt tritt Köbi Kuhn zur Verlängerung im Himmel an.» Er macht es hoffentlich mit einem verschmitzten Lächeln und jener Liebenswürdigkeit, der sich niemand entziehen konnte – und die nicht nur bei den 800 Besuchern im Grossmünster eine kaum zu schliessende Lücke hinterlässt.