KLIMASCHUTZ: US-Bundesstaaten trotzen Rückzug

Die Trump-Regierung kehrt dem Pariser Klimaschutzabkommen den Rücken. Den Klimaschutz wird sie damit jedoch nicht aushebeln. Das zeigt das Engagement von Investoren und demokratischen Staaten.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen

Renzo Ruf, Washington

Die Warnung war unmissverständlich formuliert. «Unsere Geduld ist bald erschöpft.» Chevron müsse die Bedenken der Aktionäre ausräumen. Der Absender dieser Aufforderung: der Vermögensverwalter BlackRock, mit rund 6,5 Prozent einer der grössten Aktionäre des Öl-Multis. Chevron versprach, die Aktionäre künftig besser über Auswirkungen von Klimaschutz-Bestrebungen auf das Kerngeschäft der Firma zu informieren. Eine entsprechende Resolution wurde gestern von der Agenda der Chevron-Jahresversammlung gestrichen.

Dass BlackRock tatsächlich nicht viel Federlesen macht, zeigte sich gleichentags an der Aktionärsversammlung des Chevron-Konkurrenten ExxonMobil. Das Management der grössten US-Öl-Firma gilt zwar branchenweit als recht fortschrittlich, weil es den umweltpolitischen Bedenken der Kritiker seit einigen Jahren oft Rechnung trägt.

Dennoch weigerte sich die ExxonMobil-Spitze, eine Resolution zu unterstützen, die eine jährliche Auslegeordnung über die Auswirkungen strengerer Klimaschutzgesetze auf den Konzernumsatz forderte. BlackRock, Verwalter von 6,1 Prozent der Unternehmensaktien, machte die Drohung wahr. Nach einer eigentlichen Aktionärsrevolte wurde die Resolution mit 62 Prozent der Stimmen genehmigt, zur Freude aktivistischer Kreise.

Dies sei ein «beispielloser Sieg» für Investoren, die von ExxonMobil eine Kurskorrektur hin zu zukunftsträchtigeren Brennstoffen verlangten, jubelte der New Yorker Kassenwart Thomas DiNapoli, ein Demokrat. Die Verwalterin einer kalifornischen Pensionskasse sagte, dass sich die Energiebranche Gedanken über «Risiken und Chancen» des Klimawandels machen müsse.

Das Beispiel zeigt, dass der Klimaschutz in den USA weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird – egal, ob die jeweilige Bundesregierung multilaterale Klimaabkommen unterstützt. So sehen sich Stromproduzenten unter immer stärkerem Druck profitorientierter Investoren, alte Kohlekraftwerke umzurüsten und auf erneuerbare Energien zu setzen. Zum andern geht häufig vergessen, dass es sich bei den USA um ein föderalistisches Land handelt. Es mag sein, dass in Bundesstaaten wie West Virginia und Wyoming «Kohle König ist». Grosse Bevölkerungszentren wie Kalifornien oder New York aber verfolgen aber ihre eigene Klimapolitik.

Beide Staaten sind Mitglied der «Under 2 Coalition», die sich verpflichtet hat, die Ziele des Pariser Abkommens auf lokaler Ebene umzusetzen. Dabei handelt es sich nicht um leere Ankündigungen. So beschloss Kalifornien im Frühjahr, der US-Autoindustrie stärkere Auflagen bezüglich Schadstoffemissionen zu machen – um die Entwicklung von Fahrzeugen mit Hybrid- oder Elektromotoren zu fördern.