Klare Worte an die Regierung

Papst Franziskus hat in Polen zum Auftakt seines Besuches die national-konservative Regierung des EU-Landes zu mehr Barmherzigkeit mit Verfolgten und zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgefordert.

Paul Flückiger
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Papst Franziskus wird vom polnischen Präsidenten Andrzej Duda begrüsst. Der Papst bringt eine deutliche Botschaft mit. (Bild: ap/Gregorio Borgia)

Papst Franziskus wird vom polnischen Präsidenten Andrzej Duda begrüsst. Der Papst bringt eine deutliche Botschaft mit. (Bild: ap/Gregorio Borgia)

DANZIG. Papst Franziskus hat in Krakau die offizielle Begrüssungszeremonie für eine klare Ermahnung der nationalkonservativen Regierung genutzt. Auf dem Königsschloss Wawel rief er nach einem Treffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda zu mehr Barmherzigkeit mit Flüchtlingen und Verfolgten auf.

Erst kürzlich hatte Polens Regierungschefin Beata Szydlo von der Kaczynski-Partei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS) im Zusammenhang mit neuen jihadistischen Attentaten noch einmal unterstrichen, dass Polen sich auch künftig weigern wolle, Flüchtlinge aus islamischen Ländern wie Syrien, Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Szydlo hatte Franziskus am Mittwochnachmittag zusammen mit Duda auf dem Krakauer Flughafen begrüsst. Franziskus will fünf Tage in Polen bleiben. Es ist seine erste Reise in den ehemaligen Ostblock.

Weltjugendtag im Zentrum

Im Zentrum der päpstlichen Pilgerreise steht der von seinem polnischen Vorgänger Papst Johannes Paul II. vor 31 Jahren angestossene Katholische Weltjugendtag, der in der Nacht vom Samstag auf Sonntag seinen Höhepunkt erreicht. Obwohl sich dafür nur knapp 300 000 junge Gläubige aus 187 Ländern angemeldet haben, rechnen die polnischen Organisatoren mit bis zu 1,5 Millionen Pilgern.

«Polen braucht Werte, Glauben und Gutes», sagte Staatspräsident Duda in einer kurzen Ansprache, die wie ein Wahlkampfauftritt seiner politischen Heimat, Jaroslaw Kaczynskis PiS, klang. Seit deren Machtantritt im Herbst 2015 erlebt Polen einen nationalkonservativen Rechtsrutsch, der von der Regierung als «gute Wende» bezeichnet wird.

Pabst Franziskus zeigte diplomatisch auch Verständnis für die Sorgen der neuen polnischen Regierung, die unter anderen mit den Folgen der Massenauswanderung nach Westeuropa kämpft. «Man muss die Gründe der Emigration aus Polen identifizieren», forderte indes der Papst und leitete zu einem Thema über, das der PiS besonders fern liegt, nämlich der Emigration aus dem kriegsversehrten Süden in den reichen Norden. «Es ist die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen», unterstrich Pabst Franziskus.

Das Phänomen der Migration verlange eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden, sagte der Papst. «Solidarität mit jenen ist nötig, die ihrer Grundrechte beraubt oder des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen.»

Unterstützung vom rechten Rand

Bisher hatte sich die Kaczynski-Regierung in ihrem Bestreben, den ganzen rechten Rand des polnischen Politspektrums aufzurollen, vor allem mit jenen Polen solidarisch gezeigt, die keine Lehren aus der Genese des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs ziehen wollen. Mitgemacht haben dabei willig auch Teile des polnischen Klerus, etwa jener Geistliche, der kürzlich Neofaschisten zu einer Feier in die Kathedrale von Bialystok einlud.

Papst Franziskus will heute die Schwarze Madonnenstatue im Kloster Jasna Gora in Czestochau besuchen und am Freitag in Todeszellen des ehemaligen deutschen KZ Auschwitz-Birkenau beten.

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