Kim lässt die Puppen tanzen

Diktator Kim Jong Il wechselt Nordkoreas Regierungsspitze aus. Personalkarussell soll Verlässlichkeit des inneren Machtzirkels stärken und Kim-Nachfolge sichern.

Angela Köhler
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Tokio. Das nordkoreanische Marionetten-Parlament hat gestern überraschend den Regierungschef, drei seiner Stellvertreter, mehrere Schlüsselminister und den Vize-Chef des Nationalen Verteidigungsrates neu besetzt.

In normalen Ländern löste ein so dramatischer Führungswechsel eine Staatskrise aus. In Nordkorea weiss man nicht einmal ganz genau, warum so viele gestandene Funktionäre auf einmal ihre Sessel räumen müssen.

Inmitten der Krise um das Versenken einer südkoreanischen Korvette mit 46 Toten, nutzt Kim Jong Il anscheinend die angebliche «äussere Bedrohung», um im Inneren weitere Machtpositionen mit engen Vertrauten zu besetzen.

«Dynastie» sichern

Die wichtigste Personalie ist dabei wohl nicht Ministerpräsident Kim Jong Il (trotz der Namensgleichheit nicht mit dem Diktator verwandt). In der Hierarchie Nordkoreas spielt der Premier die eher untergeordnete Rolle eines Verwaltungsorgans.

Künftig wird diese Aufgabe vom Parteichef der Hauptstadt Pjöngjang, Choe Yong Rim, übernommen. Wichtige Akzente und Signale setzt der Diktator jedoch mit der Nominierung seines Schwagers Jang Song Thaek zum Vizechef der Nationalen Verteidigungsrates. Diesem mächtigen Gremium, das unter anderem die 1,2 Millionen aktiven Soldaten kommandiert und den Befehl zur Generalmobilmachung geben kann, steht Kim Jong Il selbst vor.

Schwager Jang Song Thaek, der jetzt an seine Seite rückt, hatte bereits im Februar vergangenen Jahres für Furore gesorgt, als er Chef der Inneren Sicherheit wurde und sich sofort als Förderer des jüngsten Kim-Sohns Jong Un erwies, der seinem Vater als Diktator nachfolgen könnte.

Familiäre Loyalität

Der 64jährige Jang, Ehemann der Kim-Schwester Kying Hu, war 2004 aus dem inneren Führungszirkel verbannt worden, weil er angeblich den Machthaber aus dem Amt drängen wollte.

Sein politisches Comeback deutet nun darauf hin, dass der schwerkranke Kim Jong Il nun von sich aus den Rückzug vorbereitet und seinen Schwager dabei als Königsmacher einbinden will, um dessen eigene Ambitionen kontrollieren zu können. «Jang gehört zur Familie und Kim vertraut auf diese Loyalität», vermutet Chon Hyun Joon, Nordkorea-Experte am Institut für Wiedervereinigung in Seoul.

Minister als Sündenböcke

Die Absetzung der Minister für Wirtschaft, Handel und Versorgung deutet darauf hin, dass das Regime im Volk spürbare Anzeichnen von Unzufriedenheit verspürt. Die Ende vergangenen Jahres hastig und dilettantisch organisierte Währungsreform hat der aufkeimenden kleinen Privatwirtschaft schwer geschadet. Wegen Chaos und Inflation wurden mehrere Funktionäre abgesetzt, verurteilt und in angeblich drei Fällen sogar hingerichtet, darunter der Direktor für Finanzen der Kommunistischen Partei sowie der Chef der Planungsbehörde.