Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kim krebst zurück

Nordkorea hat die Gespräche mit Südkorea auf Eis gelegt und den USA mit einer Absage des geplanten Gipfeltreffens gedroht. Die Forderung der Amerikaner nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen geht Machthaber Kim Jong Un zu weit.
Angela Köhler, Tokio
Auf Schlingerkurs: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, hier auf einem gigantischen TV-Bildschirm in Japans Hauptstadt Tokio. (Eugene Hoshiko/AP, 16. Mai 2018)

Auf Schlingerkurs: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, hier auf einem gigantischen TV-Bildschirm in Japans Hauptstadt Tokio. (Eugene Hoshiko/AP, 16. Mai 2018)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bleibt sich treu: Er ist unberechenbar. In der Nacht auf gestern drohte der Diktator mit dem Platzen des für den 12. Juni in Singapur geplanten Gipfeltreffens mit US-Präsident Donald Trump. Vizeaussenminister Kim Kye Gwan liess sich von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA mit den Worten zitieren: Wenn die US-Regierung «uns in die Enge treibt, haben wir kein Interesse mehr an Gesprächen». Pjöngjang sei nicht bereit, der «einseitigen» US-Forderung nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen nachzugeben. «Wir haben unsere Bereitschaft zu einer atomwaffenfreien Koreanischen Halbinsel gezeigt, aber auch wiederholt erklärt, dass die USA als Vorbedingung ihre feindselige Politik gegenüber Nordkorea und die atomare Bedrohung beenden müssen.»

Weiter drohte der Vizeminister, der für Kim Jong Un als Chefunterhändler für Abrüstung agiert, Nordkorea erörtere derzeit noch eine Teilnahme an dem geplanten Singapur-Gipfel, was in südkoreanischen Regierungskreisen als indirekter Rückzieher gewertet wird. Eigentlich hatte der Diktator unlängst bei dem Panmunjom-Gipfel mit Südkoreas Präsident Moon Jae Un eine «vollständige Denuklearisierung» in Aussicht gestellt. Dafür könnte Nordkorea wirtschaftliche Hilfe erwarten, versprach US-Aussenminister Mike Pompeo. Bisher weist Pjöngjang einen solchen «Deal» jedoch zurück.

Fragwürdige Rolle von Trumps Sicherheitsberater

Zwar ist nach wie vor unklar, wie und bis wann die Atomabrüstung realisiert werden soll, aber immerhin hat der nordkoreanische Diktator in dieser Woche damit begonnen, den Komplex Punggye-Ri, wo Nordkorea bereits sechs Atomtests durchgeführt hatte, zu demontieren. Das Tunnelsystem soll offiziell zwischen dem 23. und dem 25. Mai in Anwesenheit von Experten und handverlesenen südkoreanischen Journalisten gesprengt werden. Nach chinesischen Angaben ist es ohnehin einsturzgefährdet und radioaktiv kontaminiert.

Dass Kim nun verbal zurückrudert, könnte massgeblich mit einer Aussage von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton zusammenhängen. Der als radikaler Falke im Weissen Haus geltende Bolton hatte erklärt, Nordkorea müsse bei der Abrüstung seines Atomwaffen- und Raketenarsenals dem «libyschen Modell» vor etwa 15 Jahren folgen. Das nordafrikanische Regime unter Diktator Muammar al-Gaddafi hatte seinerzeit sein ohnehin nur fragmentarisches Nuklearprogramm aufgegeben, um im Gegenzug Sanktionen zu vermeiden. Gaddafi wurde brutal gestürzt, von Rebellen ermordet, und Libyen versank in einen unkontrollierten Bürgerkrieg, der bis heute noch kein geordnetes Staatswesen ermöglicht. Offenbar ist Kim Jong Un durch diese als Beispiel dienende Bemerkung von Bolton und wohl auch nach der abrupten Kündigung des Iran-Deals durch das Weisse Haus ein gehöriger Schrecken in die Glieder gefahren.

Militärmanöver als Grund für Nordkoreas Rückzug

Offiziell wird der verbale Rückzieher mit dem zwei Wochen ­an­dauernden gemeinsamen süd­koreanisch-amerikanischen Militärmanöver Max Thunder begründet. Aus nordkoreanischer Sicht soll die schon seit Jahren regelmässig stattfindende gemeinsame Militärübung der Luftwaffe einen Einmarsch in den Norden simulieren. Dies sei eine Provokation, die der gegenwärtigen Verbesserung der interkoreanischen Beziehungen entgegenlaufe, vermeldete KCNA. Angesichts der «derzeit schrecklichen Situation» bleibe Pjöngjang keine Wahl, als diese Gespräche abzusagen.

Angeblich sollen an dem Manöver auf Seiten der USA auch im Ausland stationierte, mit Atomwaffen bestückte Bomber beteiligt sein, was die Manöverpar­teien jedoch zurückweisen. Ein Sprecher des Pentagon erklärte, die Übungen seien seit Jahrzehnten defensiver Natur und dienten nur dazu, Südkoreas Verteidigungsfähigkeit zu sichern. Zudem sei das Manöver von Nordkorea bislang offiziell nicht beanstandet worden. Südkoreanische Quellen erklären deshalb die Aufregung in Pjöngjang als Finte, um Sand ins Getriebe zu werfen. Kim sei sich offenbar unsicher, ob er in Singapur tatsächlich als Sieger vom Tisch geht.

Washington reagiert mit Gelassenheit

Seouls Regierung reagierte mit Bedauern und forderte Pjöngjang auf, schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Absage widerspreche dem Geist des Gipfels, bei dem sich – aus der Interpretation Südkoreas – beide Staaten auf die «vollständige Denuklearisierung» der Koreanischen Halbinsel geeinigt hätten. Seouls Präsidentensprecher Baek Tae Hyun ging in seinem Statement jedoch mit keinem Wort darauf ein, ob seine Regierung schädliche Auswirkungen auf den amerikanisch-nordkoreanischen Gipfel befürchte.

Ungeachtet der Rückwärtsbewegung Pjöngjangs reagiert Washington bislang eher gelassen. «Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong Un voran», versicherte eine Sprecherin des Aussenministeriums. Bisher habe es keine offizielle Absage aus Pjöngjang gegeben, und es sei die Aufgabe des Präsidenten, Amerika von der Bedrohung aus Nordkorea zu befreien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.