Kim erhöht Einsatz im Atompoker

Nordkorea will Plutoniumbestände waffenfähig machen und künftig auch Uran für Atombomben anreichern. Sollte das kommunistische Land tatsächlich dazu in der Lage sein, könnte es ein grosses Atombombenarsenal aufbauen.

Bernhard Bartsch
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Nordkoreas kommunistischer Diktator Kim Jong Il löst in Südkoreas Hauptstadt Seoul mit seinen Atomplänen einmal mehr Ängste und Proteste aus. (Bild: ap/Ahn Young-Joon)

Nordkoreas kommunistischer Diktator Kim Jong Il löst in Südkoreas Hauptstadt Seoul mit seinen Atomplänen einmal mehr Ängste und Proteste aus. (Bild: ap/Ahn Young-Joon)

Peking. Nordkorea will dem Ausbau seines Atomwaffenarsenals wieder einen Schritt nähergekommen sein. Es sei gelungen, Uran anzureichern, meldete die offizielle Nachrichtenagentur KCNA gestern. Auch die vorhandenen Plutoniumbestände würden derzeit waffenfähig gemacht.

Laut KCNA sind die Angaben in einem Schreiben enthalten, das Nordkoreas UNO-Botschafter am Donnerstag dem UNO-Sanktionsausschuss übergeben hat.

Dieser hatte Auskünfte über Nordkoreas Atomwaffenprogramm verlangt, nachdem vor einem Monat eine nordkoreanische Lieferung von Panzerfäusten und Granaten an Iran aufgeflogen war. Die im Juni verabschiedete UNO-Resolution 1874 verbietet Nordkorea aber die Fortsetzung seines Atomprogramms und jegliche Waffenexporte.

Überprüfung unmöglich

Doch Diktator Kim Jong Il, der in den vergangenen Wochen versöhnliche Signale gesendet hatte, sieht sich nicht an den UNO-Beschluss gebunden.

«Wir sind für beides bereit: Dialog und Sanktionen», zitierte ihn die KCNA. Wenn der Sicherheitsrat Nordkorea mit Sanktionen unter Druck setzen wolle, müsse er im Gegenzug mit einem «Ausbau der atomaren Abschreckung» rechnen.

Eine unabhängige Überprüfung ist nicht möglich, da das Land im April alle internationalen Inspektoren ausgewiesen hat. Sollten die Angaben zur Urananreicherung jedoch stimmen, könnte Nordkorea sein Atomwaffenarsenal bald stark ausbauen. Bisher hatten Pjöngjangs Wissenschafter nur Plutoniumbomben konstruiert.

Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass Nordkorea etwa 30 bis 50 Kilogramm Plutonium besitzt, was den Bau von maximal zehn Sprengköpfen erlaubte. Sollten Kims Wissenschafter aber die technisch kompliziertere Urananreicherung meistern, könnte das Militär Nordkoreas beträchtliche eigene Uranvorkommen zum Bombenbau nutzen.

Know-how aus Pakistan

Die USA werfen Nordkorea seit 2002 vor, ein Urananreicherungsprogramm zu verfolgen, und gehen davon aus, dass Kim einen Teil der benötigten Technik von Pakistans Atomforscher Abdul Qadeer Khan erhalten hat.

Experten erwarten allerdings, dass Nordkorea noch mehrere Jahre brauchte, um genügend Uran für die Herstellung von Atomwaffen anzureichern.

Südkorea: «Energisch reagieren»

In Südkorea kritisierte ein Sprecher des Aussenministeriums die jüngste Erklärung des Nordens und sagte, seine Regierung werde «energisch mit Nordkoreas Drohungen und Provokationen umgehen». Auch der US-Sondergesandte für Nordkorea, Stephen Bosworth, bezeichnete die Meldungen als besorgniserregend.

«Eine vollständige, überprüfbare Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel bleibt unser Hauptziel», sagte Bosworth, der gestern in Peking mit Chinas Aussenminister sprach.

Direkt mit den USA verhandeln

«Wir sind auch offen für ein bilaterales Engagement, aber nur im Rahmen des Sechs-Parteien-Prozesses und als Teil der Wiederbelebung des Sechs-Parteien-Prozesses.» In den Verhandlungen, die seit 2003 in Peking stattfinden, wollen die USA, China, Südkorea, Russland und Japan Nordkorea zur Aufgabe seines Nuklearprogramms bewegen.

Pjöngjang hatte die Gespräche im April aufgekündigt und fordert bilaterale Verhandlungen mit den USA.

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