Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kim bleibt auf Gipfelkurs

Nordkoreas Führer Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In wollen eine «Phasenlösung» zur Denuklearisierung der Halbinsel und auch das Treffen mit US-Präsident Donald Trump retten. Dieser relativiert derweil seine Absage.
Angela Köhler, Tokio
Beim Blitztreffen zwischen Kim Jong Un (links) und Moon Jae In herrschte offensichtlich gute Stimmung. (Bild: AP (Panmunjom, 26. Mai 2018))

Beim Blitztreffen zwischen Kim Jong Un (links) und Moon Jae In herrschte offensichtlich gute Stimmung. (Bild: AP (Panmunjom, 26. Mai 2018))

Völlig überraschend sind am Samstag Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Staatschef Moon Jae In für zwei Stunden auf der Nordseite des Grenzkontrollpunktes Panmunjom zusammengetroffen. Wie das Präsidialamt in Seoul mitteilte, stimmten sich beide Staatsführer über einen gemeinsamen Weg ab, um das Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump doch noch möglich zu machen. Dabei bekräftigte der nordkoreanische Führer seinen «festen Willen», so schnell es geht mit Trump zusammenzutreffen.

Staatschef Moon informierte gestern in Seoul die Presse über die Ergebnisse seiner zweiten Zusammenkunft mit Kim Jong Un innerhalb eines Monats. Beide Politiker hatten sich bereits am 27. April zu einem als historisch apostrophierten Gipfel an selber Stelle getroffen. Diesmal ging die Initiative von Pjöngjang aus. Dabei habe Kim seinen Willen zur kompletten atomaren Abrüstung auf der Koreanischen Halbinsel klargemacht, sagte Moon.

Er wich aber der direkten Frage aus, ob der nordkoreanische Führer dieses Mal ausdrücklich von einer «vollständigen, überprüfbaren und irreversiblen Denuklearisierung» gesprochen habe, wie sie von den USA als Ziel formuliert wird. Wenn es an diesem Punkt Unklarheiten gebe, müsse das in direkten Verhandlungen mit Trump geklärt werden, zog sich der südkoreanische Staatschef aus der Affäre.

Innerkoreanischer Dialog auf neuer Stufe

Moon vermittelte seinen Eindruck, Kim sei sich unsicher, ob er nach einer Denuklearisierung tatsächlich auf die Zusage bauen könne, dass damit die Feindseligkeiten beendet seien. Die von Trump angebotenen Sicherheitsgarantien bezeichnete der Prä­sident als vage. Moon forderte beide Seiten auf, miteinander zu reden, um Missverständnisse auszuräumen. «Amerika und Nordkorea müssen verstehen, was die andere Seite will.» Mit dem Überraschungsgipfel in Panmunjom, dem weitere Spitzentreffen folgen sollen, ist der interkoreanische Dialog auf eine neue Stufe gehoben worden. Ziel war offensichtlich, das erste Gipfeltreffen Trump–Kim am 12. Juni in Singapur zu retten. Letzten Donnerstag hatte das Weisse Haus diesen Termin abrupt abgesagt. In einem Brief an Kim begründete Trump seinen Rückzieher mit «enormem Ärger und offener Feindseligkeit», die Nordkorea zuletzt an den Tag gelegt habe. Ein Gipfeltreffen mit dem Machthaber aus Pjöngjang sei deshalb zum aktuellen Zeitpunkt unangemessen.

Kurz darauf vollzog der US-Präsident jedoch erneut eine Kehrtwende und stellte in Aussicht, sich – vielleicht sogar wie ursprünglich vereinbart am 12. Juni – in dem südostasiatischen Stadtstaat zu begegnen. «Wir reden mit ihnen», sagte Trump am Freitagmorgen. Zu der sehr diplomatischen Reaktion aus Pjöngjang auf seine Absage bemerkte der Präsident: «Sie haben eine sehr nette Stellungnahme abgegeben.» Pjöngjangs Vizeaussenminister Kim Gye Gwan hatte ausrichten lassen, sein Führer Kim bedaure, sei aber nach wie vor sehr an dem Gipfel interessiert. Am Samstagabend sagte Trump weiter: «Es geht sehr gut voran. Wir blicken auf den 12. Juni in Singapur. Das hat sich nicht geändert.» Was nun wirklich Sache ist, scheint niemand wirklich zu wissen.

Nach dem amerikanischen Zickzackkurs wollen beide Koreas sich offenbar nicht länger von Washington an der Nase herumführen lassen und ergreifen von sich aus die Initiative, um Trump unter Druck zu bringen. Nordkorea liess verlauten, Kim Jong Un habe «jede nur mögliche Anstrengung» unternommen, um den Gipfel möglich zu machen. Pjöngjang betrachte dieses Treffen mit Trump als «dringend nötig» und sei dem Präsidenten für seine Bereitschaft zu einem Spitzengespräch mit dem obersten Führer «von Herzen dankbar». Dies sei eine Entscheidung, die frühere US-Präsidenten nicht gewagt hätten.

Korea-Krieg auch formell beenden

Damit hat Nordkorea sehr geschickt den Ball auf die amerikanische Seite gespielt. Das Kalkül: Kommt es nicht zum Gipfel oder bei der Begegnung zum Eklat, haben die USA Schuld, wenn die Diplomatie scheitert. Diese Strategie funktioniert am besten, wenn es dem Norden gelingt, auch Südkorea auf diese Position zu ziehen. Seoul will nach 75 Jahren Waffenstillstand unbedingt einen verlässlichen Frieden an seiner Land- und Seegrenze und ist bereit, dafür beinahe jeden Preis zu zahlen. Möglicherweise nimmt Staatschef Moon sogar in Kauf, einen Keil in die amerikanisch-südkoreanische Militärpartnerschaft zu treiben. Es ist zu vermuten, dass Kim und Moon bei ihrem zweiten Panmunjom-Treffen auch über einen möglichen Friedensvertrag gesprochen haben, um den Korea-Krieg auch formell zu beenden. Moon wünscht dafür einen Dreiergipfel mit Kim und Trump. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine Verständigung zwischen den USA und Nordkorea. Kim und Moon sehen die Möglichkeit, eine – wahrscheinlich von Peking angeregte – Phasenlösung anzustreben und die Amerikaner auf diese Linie zu locken.

Dazu braucht es aber den Gipfel Trump–Kim, ob in Singapur oder woanders. Darauf drängt Moon, wenn er sagt, es gehe nicht länger an, dass immer nur nachrangige Boten Statements austauschen. Die Forderung Washingtons, Kim müsse bereits vor dem Singapur-Gipfel zusagen, einseitig sein Atomwaffenarsenal zu verschrotten, lehnen allerdings sowohl Nord- als auch Südkorea als unrealistisch ab. Vor allem Trumps Sicherheitsberater John Bolton hatte mehrfach öffentlich den Eindruck erweckt, es wäre nur noch zu klären, von welchem Hafen die USA die nordkoreanischen Atombomben und die Interkontinentalraketen abholen müssten, um diese fachgerecht zu entsorgen.

«Eines nach dem anderen»

Trump dagegen hatte nach seiner Begegnung letzte Woche mit Südkoreas Präsident Moon Jae In ebenfalls geäussert, das nordkoreanische Atomprogramm sei wohl zu gross und komplex, um es in einem Ritt zu erledigen, auch wenn das wünschenswert wäre. Nun sagt offenbar auch Pjöngjang zu eigenen atomaren Abrüstungsschritten nicht mehr generell Nein. Diplomat Kim Gye Gwan äusserte, ein erstes Gespräch werde «gewiss nicht alles lösen», aber schon «eines nach dem anderen phasenweise anzugehen, würde die Beziehungen verbessern, statt sie weiter zu verschlechtern». Es sei nun die Entscheidung der USA, «wann und wo» man sich begegne.

Es spricht vieles dafür, dass beide Seiten sich bewegen könnten. Trumps politische Formel – atomare Abrüstung gegen US-Investitionen, Aufhebung der Sanktionen und eine verbindliche Sicherheitsgarantie für das Kim-Regime – ist ein Angebot, das Nordkorea eigentlich nicht ablehnen kann. Vorausgesetzt, die Zumutung, keine Atommacht zu sein, kommt nicht auf einen Schlag, sondern eben «phasenweise», was zum Schlüsselbegriff der Verhandlungen werden dürfte.

Auf diesen Kompromiss könnte man sich vermutlich auch mit Seoul, Peking, Moskau und – bei einiger Überredung – auch mit Tokio einigen. Allerdings beharrt Japans Premierminister Shinzo Abe bisher auf der Bedingung, Nordkorea müsse sein Atomprogramm «vollständig, verifizierbar und unumkehrbar einstellen».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.