KEINE BERICHTERSTATTUNG: Ein Zeichen gegen den Terror

Die Seite Drei dieser Zeitung ist in der Ausgabe vom Dienstag leer geblieben. Dort, wo im Normalfall überregionale Berichterstattung zu lesen ist, stand ein einziger Satz: «Im Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors in London verzichten wir hier auf eine Berichterstattung.»

Christian Volken
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Die Seite Drei der Dienstagsausgabe trägt nur einen Satz: "Im Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors verzichten wir hier auf eine Berichterstattung." (Bild: Johannes Wey)

Die Seite Drei der Dienstagsausgabe trägt nur einen Satz: "Im Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors verzichten wir hier auf eine Berichterstattung." (Bild: Johannes Wey)

Unsere Zeitung hat sich entschieden, in der Ausgabe vom Dienstag nach Pfingsten auf die Berichterstattung über das Londoner Attentat zu verzichten. Pascal Hollenstein, publizistischer Leiter, erklärt den ungewohnten Schritt im Kommentar auf der Zeitungsfront.

Er beschreibt, was nach Terrorereignissen zur Routine für Leser und Berichterstatter geworden ist: Die Abfolge von Pushnachricht der News-App, dem nachfolgenden Newsticker, des ersten Kommentars, der Hintergrundgeschichten über Täter und Milieu, die Spekulationen über das Vorwissen der Geheimdienste, Gespräche mit Experten, wohlmeinende Äusserungen zum Wert der Freiheit, wider die totale Überwachung des Bürgers und zur Notwendigkeit der Verteidigung unserer Art zu leben. «Und dann», so Hollenstein, «folgt: Das Vergessen. Bis zum nächsten Anschlag.»

Er greift den Vorwurf auf, dass sich Redaktionen mit eifriger Berichterstattung zu Komplizen der Terroristen machen – und fragt: «Wäre der Terrorismus nicht wirkungslos, wenn seine Botschaft nicht in Windeseile um den Globus getragen würde?» Am Beispiel der jüngsten Terrorattacken in London hält Hollenstein fest: «Die Täter waren Islamisten, es gab Tote. Mehr braucht man im Grunde nicht zu wissen.»

Die leere Seite 3 will Pascal Hollenstein in Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors verstanden wissen. Und als Zeichen, dass «wir uns von diesen erbärmlichen Gewaltverbrechern mit ihrer primitiven Ideologie nicht die Agenda diktieren lassen.»