Kein Frühling für Algerien in Sicht

In der Präsidentschaftswahl in Algerien gilt Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika als kaum schlagbarer Favorit. Die Jugend träumt zwar von einem echten Wandel. Aber bis auf den unabhängigen Ex-Premier Ali Benflis boykottiert die Opposition die Wahl.

Markus Symank
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Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Ali Benflis. (Bild: ap/Sidali Djarboub)

Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Ali Benflis. (Bild: ap/Sidali Djarboub)

KAIRO. Als im Zuge des Arabischen Frühlings vor drei Jahren auch in Algerien Proteste ausbrachen, wandte sich Präsident Abdelaziz Bouteflika an die jungen Demonstranten. «Meine Generation hat ihr Ende erreicht. Das Land ist nun in euren Händen, den jungen Händen», teilte der Staatschef mit. Doch von dieser bemerkenswerten Aussage hat der inzwischen 77-Jährige Abstand genommen. Bei der Präsidentschaftswahl von morgen bewirbt er sich trotz massiver gesundheitlicher Probleme um eine vierte Amtszeit – und gilt als Favorit.

Seit Schlaganfall im Rollstuhl

Alles andere als ein klarer Sieg des seit 15 Jahren regierenden Staatschefs wäre eine Überraschung. Dass Bouteflika seit einem Schlaganfall vor einem Jahr im Rollstuhl sitzt, kaum noch sprechen kann und daher dem Wahlkampf fernblieb, stört seine Unterstützer nicht. Die Regierungspartei Nationale Befreiungsfront (FLN) steht ebenso hinter ihm wie die Armeespitze, der in Algerien die Rolle des Königsmachers zufällt.

Keine Experimente gewünscht

Besonders junge Algerier monieren aber, dass in ihrem Land die Zeit stehengeblieben sei. Das Regime aber inszeniert sich als Garant für Stabilität und Kontinuität. Die staatlichen Medien huldigen Bouteflika. Ohne dessen starke und erfahrene Hand drohe dem Land Chaos wie in den Ländern des Arabischen Frühlings. Bei vielen Algeriern, insbesondere der älteren Generation, kommt diese Botschaft gut an. Die Wunden des blutigen Bürgerkriegs und des islamistischen Terrors in den 90er-Jahren mit über 100 000 Toten sind noch längst nicht verheilt.

Doch hinter der Fassade der scheinbaren Stabilität rumort es auch in Algerien immer hörbarer. Eine von mittelständischen Jugendlichen angeführte Protestbewegung namens Barakat! (genug) hat zuletzt in mehreren Städten regelmässig demonstriert. Sie fordert einen Wechsel hin zu einer echten Demokratie sowie eine neue Wirtschaftspolitik. «Wir werden von einem archaischen Regime regiert, für das Wahlen nur eine Maskerade sind», sagte ein Mitbegründer der Bewegung.

Korruption allgegenwärtig

Reformen hat freilich auch Bouteflika in Aussicht gestellt. Doch in seinen bisherigen drei Amtszeiten war davon wenig zu sehen. Zwar konnte seine Regierung dank hoher Erdöl- und Gasexporte die Staatsverschuldung zuletzt auf beinahe null drücken. Doch abgesehen vom Rohstoffhandel verfügt Algerien über keinen nennenswerten Wirtschaftszweig.

Die Arbeitslosigkeit ist laut offiziellen Angaben auf 25 Prozent gestiegen, die Korruption allgegenwärtig. Für die Generation unter 30 Jahren, die 70 Prozent der Bevölkerung ausmacht, bieten sich kaum Zukunftsperspektiven.

Aufrufe zum Wahlboykott

Das Geflecht aus Armee, Geheimdiensten und Wirtschaftsgrössen scheint Bouteflika nicht mehr so unangefochten gewogen wie noch vor wenigen Jahren. In einigen staatlichen Medien wurde der Präsident zuletzt ungewohnt scharf angegriffen. Auch einige ehemals ranghohe Militärs gingen auf vorsichtige Distanz zum Staatschef.

Die Opposition hat daraus allerdings kaum Nutzen ziehen können. Ein echter Herausforderer Bouteflikas ist nicht in Sicht. Von den fünf Gegenkandidaten hat der ehemalige Ali Benflis noch die besten Karten. Er tritt als Unabhängiger an und versucht vor allem junge Wähler für sich zu gewinnen.

Die Unterstützung islamistischer und säkularer Parteien hat er allerdings nicht. Diese rufen geschlossen zum Boykott der Wahl auf, um damit die Legitimität des Regimes zu untergraben.

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