Keim für weitere Gespräche

Die schiitische Hisbollah, die auf der Seite von Präsident Bashar al-Assad kämpft, und islamistische Rebellen einigen sich auf eine Waffenruhe in drei umkämpften syrischen Städten.

Michael Wrase
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BEIRUT. Im syrischen Bürgerkrieg haben sich die schiitische Hisbollah und eine sunnitisch-islamistische Rebellenorganisation auf eine 48stündige Waffenruhe geeinigt. Dieser höchst aussergewöhnliche Schritt wurde möglich, weil die kämpfenden Parteien erkannt haben, dass sie einige der von ihnen geführten Schlachten nicht mehr militärisch gewinnen können und daher eine Verhandlungslösung anstreben müssen.

Eine Pattsituation

Ausweglos ist die Lage vor allem für die islamistischen Verteidiger der Stadt Sabadani, die 45 Kilometer nordwestlich von Damaskus und zehn Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt liegt. Knapp 1000 Kämpfer der Rebellengruppen Ahrar al-Sham und der mit Al Qaida verbündeten Nusra-Front wurden dort von Hisbollah-Milizen umzingelt. Ihre Flucht ist unmöglich. Um den Druck auf Sabadani zu vermindern, griffen die Islamisten-Milizen die seit Monaten belagerten Schiitendörfer Kefraja und al-Fua im Nordwesten Syriens an. Diese werden zwar aus der Luft versorgt. Eine Sprengung des Belagerungsrings ohne gewaltige Verluste ist aber auch dort unmöglich. Es dauerte zehn Tage, bis sich Vertreter der kämpfenden Parteien in der Türkei auf eine Waffenruhe geeinigt hatten.

Ein Hoffnungsschimmer

An den Gesprächen beteiligt waren neben türkischen auch iranische und saudische Diplomaten. Sollte die Waffenruhe halten, ist als nächster Schritt ein Abzug der Rebellen aus Sabadani geplant. Im Gegenzug könnten die Rebellen die humanitäre Versorgung der von ihnen belagerten Schiiten-Dörfer gestatten. Auch eine komplette Evakuierung ist im Gespräch.

Ob es dazu kommt, ist nicht sicher. Vermutlich werden noch viele Menschen auf beiden Seiten sterben, bis sich Schiiten und Sunniten auf eine Kompromisslösung für die drei umkämpften Ortschaften geeinigt haben. Die Erkenntnis, dass es in Syrien nicht nur militärische Lösungen gibt, ist jedoch ein Hoffnungsschimmer zur richtigen Zeit.

Denn nahezu zeitgleich mit den in der Türkei geführten Waffenstillstandsverhandlungen bemühten sich Russland, Iran und Saudi-Arabien um eine diplomatische Lösung der Syrien-Krise, ohne dabei freilich die militärische Option aufzugeben.

Ziel der Russen ist die Schaffung einer gegen den «Islamischen Staat» (IS) gerichteten Allianz, zu der neben Saudi-Arabien, Jordanien und der Türkei auch die Assad-Regierung gehören soll. Nach positiven Konsultationen zwischen Moskau und Riad reiste Assads Geheimdienstchef Ali Mamluk in die saudische Hauptstadt, wo er von Verteidigungsminister Mohammed bin Salman empfangen wurde. Der soll – laut Beiruter Zeitungsberichten – dem Syrer die Einstellung der Hilfe für islamistische Rebellengruppen angeboten haben, falls Damaskus im Gegenzug den Abzug der libanesischen Hisbollah aus Syrien durchsetzt.

Nachdem die Vorschläge bekannt wurden, ruderte die saudische Regierung zurück und betonte, dass für sie die Zukunft von Syrien nur ohne Assad vorstellbar sei.

Regionales Gesprächsforum

Auf Geheimdienstebene dürften die Kontakte aber gehalten werden. Auch Teheran will den Dialog voranbringen: In einem Gastkommentar für die libanesische Zeitung «As-Safir» schlug Aussenminister Mohammed Javad Zarif ein regionales Gesprächsforum zur Konfliktlösung vor. Als Leitmotiv für die Unterredungen nannte er das schöne arabische Sprichwort: «Der Nachbar kommt vor dem eigenen Heim.»