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Der Krieg im Jemen ist eine
Katastrophe mit Ansage

Der Kampf um den Hafen Hodeida entwickelt sich zu einer Abnutzungsschlacht. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen dabei ihre eigenen strategischen Interessen.
Michael Wrase, Limassol
Regierungstreue Truppen feuern auf Rebellenstellungen beim Flughafen Hodeida. (Bild: AFP (15. Juni 2018)

Regierungstreue Truppen feuern auf Rebellenstellungen beim Flughafen Hodeida. (Bild: AFP (15. Juni 2018)

«Das Dröhnen der Bombenflugzeuge begleitet uns nun Tag und Nacht», klagt Qaed Jazou, ein in Hodeida lebender Lokaljournalist, im Telefoninterview. Aus Furcht vor den Truppen der «Arabischen Allianz», die von Offizieren aus Abu Dhabi kommandiert werden, seien die Einwohner der Vororte bereits in das Stadtgebiet geflohen. Besonders heftig werde gegenwärtig um den Flug­hafen gekämpft, den die Huthis weiterhin verteidigten.

Die Verluste auf beiden Seiten seien hoch. Trotzdem habe die «Allianz», in der neben jemenitischen Milizionären auch sudanesische Söldner kämpfen, inzwischen die strategisch wichtige Verbindungsstrasse von Hodeida nach Sana erreicht und versuche diese zu blockieren.

Über 5000 Opfer von Bombenangriffen

Der Hafen der 600000-Einwohner-Stadt war am gestrigen Montag weiterhin geöffnet. Nach UN-Angaben wurde dort ein Frachtschiff mit Getreide entladen. Nur noch fünf weitere Schiffe mit Lebensmitteln und Treibstoff lägen im Roten Meer auf Reede, 75 Prozent weniger als noch vor einem Monat. Von den Vereinten Nationen in Sana geführte Verhandlungen über eine Internationalisierung des Hafens wurden gestern ohne Ergebnis abgebrochen.

Die Huthi-Rebellen müssten in diesem Fall nicht nur auf lukrative Zolleinnahmen verzichten. Sie würden auch die Kontrolle über die Verteilung der Waren, mit der ebenfalls sehr viel Geld verdient wird, verlieren. Die Vereinigten Arabischen Emirate versuchen vor diesem Hintergrund die geplante Eroberung des Hafens auch als «humanitäre Aktion» darzustellen. Das ganze Land könnte dann «rasch und unbürokratisch» mit Hilfsgütern versorgt werden.

Tatsächlich spielt das Über­leben der 27 Millionen Jemeniten in den Planungen der Allianz keine Rolle. Das hat der bisherige Verlauf des Krieges, in dem über 5000 Zivilisten allein bei Bombenangriffen ums Leben kamen, deutlich gezeigt. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen im Jemen ihre eigenen strategischen Interessen. Mit der Besetzung von Hodeida und anderen wichtigen Häfen in der Region will Abu Dhabi die Kontrolle über die strategisch bedeutende Meerenge Bab al Mandeb und den Golf von Aden erlangen, den ein Grossteil des Seehandels zwischen Europa und Asien passiert.

Unterstützung erhalten die Emirate dabei von den USA. Sie hatten eine Eroberung von Hodeida zunächst abgelehnt, wenig später dann einen Vorstoss «mit Einschränkungen» gebilligt, angeblich um «die Dynamik des Krieges» zu verändern.

Angebliche Landeoperation französischer Kommandos

Eine von Abu Dhabi gewünschte direkte Beteiligung an der Offensive hat Washington allerdings abgelehnt. «Indirekt» involviert in den Krieg waren und sind die Amerikaner von Anfang an, indem sie die den Jemen angreifenden Kampfflugzeuge der Arabischen Allianz in der Luft betanken. Ohne diese «taktische Unterstützung» wären die militärischen Möglichkeiten der Allianz äusserst begrenzt.

Auch Frankreich will sich – auf Bitten der Emirate – im Jemen engagieren. Laut einem Figaro-Bericht wurden bereits vor Wochen Spezialeinheiten nach Jemen entsandt. Glaubt man den Huthi-Milizen, dann waren die französischen Kommandos am Samstag an einer angeblich gescheiterten Landeoperation unweit des Hafens von Hodeida beteiligt.

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