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KATALONIEN: Ein Meer aus spanischen Fahnen

Hunderttausende demonstrierten gestern in Barcelona gegen die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Parlaments. Laut Umfragen verlieren die Separatisten an Zustimmung.
Ralph Schulze, Madrid
Spanische, katalanische und europäische Fahnen gaben bei der gestrigen Demonstration den Ton an. (Bild: Toni Albir/EPA (Barcelona, 29. Oktober 2017))

Spanische, katalanische und europäische Fahnen gaben bei der gestrigen Demonstration den Ton an. (Bild: Toni Albir/EPA (Barcelona, 29. Oktober 2017))

Ralph Schulze, Madrid

Tausende spanische Fahnen wehten gestern in den Strassen der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona. Hunderttausende Menschen demonstrierten im Stadtzentrum gegen die rechtswidrige Unabhängigkeitserklärung der inzwischen abgesetzten Separatistenregierung. «Wir sind alle Katalonien» stand auf einem Transparent am Kopf des Protestzuges. Und: «Für das Zusammenleben!» Mehrere Redner warfen den Separatisten vor, die katalanische Gesellschaft gespalten und die spanische Region in eine schwere Krise getrieben zu haben. Nach Angaben der Organisatoren kamen «mehr als eine Million» Menschen zusammen, die Polizei sprach von etwa 300000 Teilnehmern.

Der einseitige Unabhängigkeitsprozess habe «Leid und Traurigkeit» in die Gesellschaft gebracht, sagte Albert Rivera, Chef der liberalen und in Katalonien geborenen Partei Ciudadanos. Nun, nach der Zwangsentmachtung der Separatisten durch die spanische Regierung, müsse es darum gehen, «die Katalanen wieder zu versöhnen». Er rief die Bürger dazu auf, bei der von Madrid durchgesetzten Neuwahl am 21. Dezember «massenhaft an die Urnen zu gehen». Katalonien habe eine neue Chance bekommen, eine Regierung zu wählen, «die für alle Katalanen eintritt».

«Angriff auf die Demokratie»

In dem Demonstrationszug sah man neben spanischen Fahnen auch katalanische Banner und Flaggen der EU. Viele Menschen hielten Schilder in Herzform hoch, auf denen die Farben Spaniens, Kataloniens und der EU leuchteten. «Es lebe Spanien, es lebe Katalonien!», riefen die Menschen immer wieder. Zu der Kundgebung hatte nicht nur die Bürgerinitiative «Katalanische Zivilgesellschaft» aufgerufen, sondern auch die konservative Volkspartei, die Sozialisten und die Liberalen stützten den Protest. Die am Freitag von den Separatisten verabschiedete Unabhängigkeitserklärung sei ein «Angriff auf die Demokratie», hiess es im Kundgebungsmanifest.

Es ist das zweite Mal, dass das prospanische Lager in Katalonien Muskeln zeigt. Bereits am 8. Oktober hatten 350000 Menschen in Barcelona gegen die Unabhängigkeitspolitik demonstriert. Dieser Tag markierte eine Wende im öffentlichen Leben in Katalonien, das bisher von den Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung mit Demonstrationen und anderen Aktionen bestimmt worden war. An immer mehr Fenstern und Balkonen in Barcelona sieht man seitdem spanische Flaggen wehen. Auch wenn im Strassenbild immer noch die Unabhängigkeitsflaggen dominieren.

Die Kundgebung von gestern und der Marsch am 8. Oktober werden als grösste prospanische Demonstrationen in die Geschichte Kataloniens eingehen. Ganz offensichtlich brachte der Unabhängigkeitskonflikt viele spanienfreundliche Katalanen dazu, auf die Strasse zu gehen. Dies deutet darauf hin, dass auch bei der Neuwahl am 21. Dezember mit einer sehr grossen Beteiligung des prospanischen Gesellschaftsteils zu rechnen ist.

Wahlboykott steht im Raum

Dass sich ein Stimmungswechsel in Katalonien anbahnen könnte, spiegelt sich auch in einer neuen Umfrage der in Madrid erscheinenden Tageszeitung «El Mundo» wider. Wenn die Befragung richtigliegt, würden die drei ­Separatistenparteien PDeCAT, ERC und CUP keine Mehrheit mehr im Parlament haben, sondern zusammengerechnet nur auf 42,5 Prozent der Stimmen kommen. Derzeit steht freilich noch nicht einmal fest, ob diese Parteien an der Neuwahl, die von der spanischen Regierung angesetzt wurde, überhaupt teilnehmen wollen. Ein Wahlboykott durch die Separatisten ist nicht ausgeschlossen.

Spaniens konservative Regierung hatte am Freitagabend nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung mit drastischen Massnahmen in den Konflikt eingegriffen: Die rebellische Regionalregierung von Carles Puigdemont wurde abgesetzt, das Katalanen-Parlament aufgelöst und eine Neuwahl am 21. Dezember angesetzt. Zudem wurde beim Verfassungsgericht beantragt, den Abspaltungsbeschluss zu annullieren. Die Zwangsmassnahmen sind von Spaniens Verfassung gedeckt und werden von einer grossen Parteienkoalition aus Konservativen, Sozialisten und Liberalen mitgetragen.

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