Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kapitalanlage Kuh: Südafrikaner investieren vermehrt in Vieh

In Südafrika boomen digitale Investments in reale Landwirtschaftsbetriebe. Das Modell bietet attraktive Renditen.
Markus Schönherr aus Kapstadt
Renditeobjekt Rind: Für 38 Franken kann man in Südafrika Anteile an einer Kuh kaufen. (Symbolbild: EPA)

Renditeobjekt Rind: Für 38 Franken kann man in Südafrika Anteile an einer Kuh kaufen. (Symbolbild: EPA)

Ohne «Lobola» keine Hochzeit! Der Brautpreis ist bei Südafrikas indigenen Volksgruppen fester Bestandteil jeder Vermählung. Seit Jahrhunderten wird die Familie der Braut in Kühen ausbezahlt – so verlangt es die Tradition. Ein Südafrikaner hat dieses tierische Finanzmodell nun verfeinert und für alle zugänglich gemacht: Die Kuh wird zur Sparanlage.

Das Sparmodell setzt auf digitale Technik, konkret auf die App «MyFarmbook». Wer sich das Programm auf sein Smartphone holt und den entsprechenden Betrag auflädt, kann gleich loslegen und Kühe mieten. Die Tiere existieren in der realen Welt, wo sie auf insgesamt fünf Farmen in Südafrika untergebracht sind. Investoren können sich für einen Sechs- oder Zwölf-Monats-Plan entscheiden. Bei der kürzeren Variante mietet man ein Kalb für umgerechnet 740 Franken. Hat dieses nach einem halben Jahr 200 Kilo erreicht, kann es gewinnbringend verkauft werden. Bei der längeren Sparversion investiert man für 1200 Franken in eine schwangere Kuh, deren Kalb später Gewinn abwirft. Für das kleine Portemonnaie gibt es die Möglichkeit, Anteile an einer Kuh zu erwerben. Die kosten 38 Franken.

Bis zu 14 Prozent Rendite

«Crowd farming» nennt sich dieses Konzept, das in Südafrika immer populärer wird. Dabei investieren Menschen, die keine Ahnung von Landwirtschaft haben, grössere oder kleinere Beträge über eine Plattform. Diese wiederum finanziert einen fachmännisch geführten, profitablen Bauernhof. Der Gewinn für die Mini-Investoren liegt bei fünf bis 14 Prozent.

«In Vieh zu investieren, liegt jedem Afrikaner im Blut. Es ist nicht nur ein lebendiges, atmendes, laufendes Wirtschaftsgut, das hohe Gewinne abwirft – es macht auch stolz», heisst es in der Broschüre für Investoren von «Livestock Wealth». Das Mutterunternehmen der App wurde vor vier Jahren von Ntuthuko Shezi gegründet – und befindet sich auf Erfolgskurs. Mittlerweile umfasst das Investitionskapital mehr als 2000 Kühe.

Doch wie mit jeder Anlage geht auch mit den Kühen ein Risiko einher. Die internationalen Finanzmärkte beeinflussen die Gewinne weniger, wohl aber die Nachfrage nach Rindfleisch, schwankende Futterpreise und Umweltfaktoren wie Dürren. Wer sein Portfolio erweitern will, greift auf die App «Impact Farming» zurück. Dort kann man bereits ab 32 Franken mit einem Klick in Landwirtschaft oder erneuerbare Energien investieren. «Zu Beginn umfasste die Auswahl Blaubeer-Felder, Bienenstöcke, die nachhaltigen Honig produzierten, und urbane Solarfarmen», berichtet das südafrikanische Magazin «Businesstech». Der Chef des Konzerns FedGroup, Grant Field, ist überzeugt: «Das beste an dieser App ist, dass sie zusätzliches Einkommen verschafft, während man seinen regulären Job ausführt. Ausserdem bietet sie die Möglichkeit, das Investmentportfolio zu streuen.»

Auch der Wohnbau wird zum Sparmodel

Südafrika besitzt die zweitgrösste Wirtschaft Afrikas. Dennoch lebt mehr als die Hälfte der Bewohner in Armut. Ob deshalb ungewöhnliche Sparmodelle so beliebt sind? Jedenfalls ungewöhnlich ist das Projekt «Puno». Dabei werfen 40 Mitglieder monatlich 50 Franken in einen gemeinsamen Topf. Das Geld ist nicht nur Startkapital für Jungunternehmer, auch eine Fabrik für Küchen- und Toilettenpapier soll mithilfe des Ersparten entstehen. Die Kleininvestoren versprechen sich grosse Gewinne.

Auch der Wohnbau wird zum Sparmodell. Die Beiträge, die Sparer jeden Monat zahlen, sind winzig. Wird eine fertige Wohnung verkauft, ist Zahltag. Dass dies selbst im kleinsten Rahmen funktioniert, zeigen die «Masakhe Ladies». Der Sparverein setzt sich aus 28 Frauen zusammen, die in Kapstädter Townships leben. Jede von ihnen zahlt monatlich 150 Franken in die gemeinsame Kasse ein. Dann greifen sie zu Ziegel und Zement. Schrittweise wird um das Ersparte ein neues Häuschen errichtet, das Haus einer der Frauen renoviert oder ein Raum angebaut. Die Vermietung verschafft den Frauen dann ein zusätzliches Einkommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.