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KANDIDAT: Berlusconis Weggefährte

Drei Tage vor den Wahlen zaubert Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi seinen langjährigen Vertrauten Antonio Tajani aus dem Hut. Dieser soll Regierungschef werden.

Silvio Berlusconi hatte den 64-jährigen Antonio Tajani in den letzten Tagen immer wieder als möglichen Kandidaten für das Amt des neuen Regierungschefs ins Spiel gebracht – als Garanten dafür, dass in Italien nicht die Populisten der Grillo-Bewegung die Macht an sich reissen würden. Am Donnerstagabend, gerade einmal drei Tage vor dem Wahltermin von morgen Sonntag, kam dann die Bestätigung: Auf Twitter schrieb der Präsident des EU-Parlaments, er habe gegenüber Berlusconi die Bereitschaft erklärt, Italien zu dienen. «Jetzt treffen die Mit­bürger und der Staatspräsident alle weiteren Entscheidungen», betonte Tajani.

Tajani ist einer der ältesten Weggefährten des 81-jährigen italienischen Ex-Premiers: Er war schon dabei gewesen, als Silvio Berlusconi im Jahr 1994 mit seiner Forza Italia zum ersten Mal die Parlaments­wahlen gewann. In der ersten, kurzlebigen Regierung ­Berlusconis war Tajani Sprecher des Premiers. Im gleichen Jahr wurde er ins EU-Parlament gewählt. Den Rest seiner ­bisherigen politischen Laufbahn verbrachte der ehemalige Journalist und Monarchist in Strassburg und Brüssel. In Brüssel gilt Tajani als überzeugter Europäer und zugleich als industrienah; in der Migrationspolitik äusserte er sich bisher gemässigt.

Wegen seines fehlenden Charismas ist Tajani von den italienischen Medien auch als «Berlusconis Gentiloni» bezeichnet worden. Der sozialdemokratische Premier Paolo Gentiloni war in Rom schon ins gleiche Gymnasium gegangen wie ­Tajani und gilt als ähnlich farb- und temperamentlos wie der EU-Parlamentspräsident. Die Chancen Tajanis, den um ein Jahr ­jüngeren Gentiloni in seinem Amt zu beerben, sind intakt: Das von Berlusconis Forza Italia angeführte Wahlbündnis, dem auch die rechtsextreme Lega von Matteo Salvini, die post­faschistischen «Brüder Italiens» von Giorgia Meloni sowie eine christdemokratische Klein­partei angehören, führte in den letzten Umfragen mit rund 38 Prozent der Stimmen klar.

Dass für die Wähler drei Tage vor den Wahlen ein Premier-Kandidat aus dem Hut ­gezaubert wird, passt gut zum bizarren Wahlkampf, den Berlusconi hingelegt hat. Auf den Wahlplakaten seiner Forza Italia steht in grossen Lettern «Berlusconi Presidente» – obwohl der Ex-Premier aufgrund seiner Vorstrafe wegen Steuerbetrugs noch bis 2019 mit einem Ämterverbot belegt ist. Grotesk ist auch, dass sich nun aus­gerechnet der Multimilliardär Berlusconi, der den Populismus in die italienische Politik ein­geführt hatte, als «moderate Kraft» und als Bollwerk gegen die Populisten geriert. Und noch viel grotesker ist es, dass er im Ausland in dieser Rolle ernst genommen wird, etwa von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Noch ist eine Wahl Tajanis zum neuen italienischen Ministerpräsidenten nur eine von mehreren Möglichkeiten. Sollte Berlusconis Rechts-Bündnis im Parlament auf Anhieb eine regierungsfähige Mehrheit erzielen, dann wäre ihm das Amt kaum noch zu nehmen – es sei denn, dass die Lega es noch schaffen sollte, Berlusconis Forza Italia zu überrunden. Das ist nicht wahrscheinlich, aber ausschliessen kann man es nicht.

Dominik Straub, Rom

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