Kanäle werden zugeschüttet statt genutzt

Im Konflikt um die Ukraine und die Krim wird weiter Konfrontationskurs gefahren – von allen Seiten. Die USA und die EU verhängen weitere Sanktionen, und Putin unterzeichnet ungerührt den Vertrag zum Eintritt der Krim in die Russische Föderation.

Walter Brehm
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Im Konflikt um die Ukraine und die Krim wird weiter Konfrontationskurs gefahren – von allen Seiten. Die USA und die EU verhängen weitere Sanktionen, und Putin unterzeichnet ungerührt den Vertrag zum Eintritt der Krim in die Russische Föderation. Noch schmerzen die Sanktionen des Westens Russland nicht. Und sollten sie so weit verschärft werden, dass sie es tun, wird dieser Schmerz auch die europäischen Sanktionsländer treffen.

All dies ist bekannt, wird europaweit in zig Fernsehdebatten beleuchtet. Dabei werden weder Russland noch die USA oder Europa müde, ihre Gesprächsbereitschaft zu betonen – begleitet vom Vorwurf, die jeweils andere Seite blockiere solche Gespräche. Da fällt es schon fast nicht mehr auf, dass Russland gestern von den westlichen Industrienationen aus der Gruppe der weltweit acht Wichtigsten (G-8) suspendiert wurde. Vielleicht auch deshalb nicht, weil auch mit diesem Schritt seit Wochen gedroht worden war. Die Frage, welche Kanäle denn für die von allen Seiten beschworene Diplomatie noch bleiben, wird kaum gestellt.

Der Entscheid ist ein Beispiel dafür, dass diese Kanäle systematisch zugeschüttet statt genutzt werden. Im Juni hätte der G-8-Gipfel in der russischen Olympiastadt Sotschi stattfinden sollen. Weshalb er nicht als möglicher Ukraine-Krisengipfel schon längst vorverlegt wurde, fragte kaum jemand. Nun wird er ohne Russland stattfinden. Man kann dies als gerechte Strafe für Putin sehen – oder einfach als verpasste Chance, reale politische und wirtschaftliche Interessen von Ost und West gegen gefährliche verbale Radikalisierung zu stellen. Das kann sich in der Lösung des Atomstreits mit Iran und im Ringen um Frieden in Syrien bitter rächen.

walter.brehm@tagblatt.ch