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Kalter Krieg zwischen Athen und Moskau

Aufgrund des Mazedonien-Streits weist Griechenland Kreml-Diplomaten aus.
Gerd Höhler, Athen
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras steht derzeit mit Russland im Clinch.Bild: Petros Giannakouris/AP (Athen, 5. Juli 2018)

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras steht derzeit mit Russland im Clinch.
Bild: Petros Giannakouris/AP (Athen, 5. Juli 2018)

Das griechische Aussenministerium hat zwei russische Diplomaten aufgefordert, das Land zu verlassen. Zwei weiteren wurde die Einreise verweigert. Sie sollen versucht haben, mit Bestechungsgeldern Proteste gegen die Beilegung des Namensstreits zwischen Griechenland und Mazedonien anzustacheln, um Russlands Einfluss auf dem Balkan zu sichern. Moskau kündigt Vergeltungsmassnahmen an.

Es ist nicht lange her, da sah der griechische Premier Alexis Tsipras in Kremlchef Wladimir Putin einen möglichen Verbündeten. Wenige Stunden nach seinem Wahlsieg am 25. Januar 2015 empfing Tsipras als ersten ausländischen Besucher den russischen Botschafter. Es ging um Geld, viel Geld: Der Ex-Kommunist Tsipras wollte sein Land mit Milliardenkrediten des Kreml vor der drohenden Pleite bewahren. Doch daraus wurde nichts, Putin rückte kein Geld heraus.

Armeeoffizier meldet Bestechungsversuch

Umso spendabler zeigt sich Moskau jetzt. Wenn auch nicht gegenüber Tsipras, sondern gegenüber seinen politischen Gegnern. Es geht zwar nicht um riesige Summen, von einigen hunderttausend Euro ist die Rede. Aber dafür sind die politischen Implikationen umso brisanter: Mit Geldzuwendungen an orthodoxe Geistliche, Geschäftsleute, Militärs, Kommunalpolitiker und nationalistische Vereine in Nordgriechenland sollen russische Diplomaten versucht haben, die Verhandlungen zur Lösung des Namensstreits mit Mazedonien zu torpedieren. Ziel der Zahlungen sei es gewesen, öffentliche Proteste gegen den Mazedonien-Kompromiss zu fördern und politischen Druck gegen die Regierung in Athen aufzubauen, heisst es.

Eine der Schlüsselfiguren dieser Aktivitäten soll Alexei Popow sein, der frühere russische Generalkonsul im nordgriechischen Thessaloniki. Er ist einer der beiden russischen Diplomaten, denen Athen jetzt die Einreise verweigert. Aufgeflogen seien die Aktivitäten der russischen Diplomaten in Nordgriechenland, nachdem ein Armeeoffizier seinem Vorgesetzten einen Bestechungsversuch gemeldet habe, schreibt die Zeitung «Kathimerini». Der sonst so wortreiche griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos gibt sich einsilbig: «Es hat Verhaltensweisen gegeben, die geeignete Massnahmen notwendig machen.» Griechenland werde kein Verhalten tolerieren, das internationales Recht breche, so Tzanakopoulos.

Annäherung kann Putin nicht gefallen

Die Annäherung zwischen Athen und Skopje kann Putin nicht gefallen. Moskau hatte unter dem nationalkonservativen Regierungschef Nikolas Gruevski grossen Einfluss in Mazedonien. Das änderte sich, als Sozialdemokrat Zoran Zaev im Frühjahr 2017 den prorussischen Gruevski ablöste. Zaev einigte sich im Juni mit Griechenland auf die Beilegung des Namensstreits.

Das Land soll sich künftig «Republik Nordmazedonien» nennen, um Verwechslungen mit der griechischen Region Mazedonien auszuschliessen. Damit öffnete Zaev die Tür zur Nato, die vergangene Woche eine offizielle Einladung an Mazedonien aussprach. Mit der Aufnahme des Landes in die Allianz würde Russlands Einfluss auf dem Balkan weiter zurückgedrängt.

Russland droht mit Konsequenzen

Russland und Griechenland hatten in der Ära vor dem Kalten Krieg enge Beziehungen. Die Russen standen den Griechen Anfang des 19. Jahrhunderts in ihrem Befreiungskampf gegen die Türken bei. Im Linksbündnis Syriza gibt es grosse Affinitäten zu Russland. Wie Tsipras kommen viele führende Regierungspolitiker aus der spätstalinistischen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). Einige ältere Syriza-Politiker wurden noch in der Sowjetunion geschult.

Während Kremlchef Putin in früheren Jahren ein häufiger und gern gesehener Gast in der orthodoxen Mönchsrepublik Athos in Nordgriechenland war, herrsche nun ein «sibirisches Klima» in den griechisch-russischen Beziehungen, schreibt die «Kathimerini». Der russische Aussenminister Sergej Lawrow bezeichnet die Vorwürfe als «Unsinn». Er sieht Washington als Drahtzieher hinter den Ausweisungen und warnt Athen derweil vor «ernsten Folgen».

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