Kaltblütige Attacke im Herzen von Paris

Der Angriff auf die Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» hat ganz Frankreich ins Herz getroffen. So sagt es Premier Manuel Valls am Mittwochabend in Paris. Eine Rekonstruktion der Attacke:

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Der französische Premierminister Manuel Valls spricht am Tatort mit Rettungskräften. (Bild: Keystone)

Der französische Premierminister Manuel Valls spricht am Tatort mit Rettungskräften. (Bild: Keystone)

Gegen 11.20 Uhr begeben sich zwei schwarz gekleidete und maskierte Männer, jeder mit einer Kalaschnikow bewaffnet, zur Hausnummer 6 in der Strasse Nicolas Appert im 11. Pariser Arrondissement. Dort ist das Archiv von «Charlie Hebdo» untergebracht.

«Ist hier Charlie Hebdo?», schreien die Männer. Als sie ihren Irrtum bemerken, ziehen sie weiter zu Nummer 10, wo die Redaktion der Satire-Zeitung sitzt.

In der Hausnummer 10 erschiessen sie den Mann am Empfang und laufen in die zweite Etage. Dort tagt gerade die Redaktionskonferenz. «Die Männer eröffnen kaltblütig das Feuer auf die versammelten Redaktionsmitglieder und auf den Polizisten, der den Zeichner und Chefredakteur Charb schützen soll», schildert eine Quelle bei der Polizei.

Der Polizist habe keine Zeit gehabt, das Feuer zu erwidern. In dem Raum sterben zehn Menschen − acht Journalisten, ein Gast sowie der Polizist, der zur Bewachung von «Charlie Hebdo»-Chef Charb abgestellt war.
Nur ein einziger Mitarbeiter überlebt, indem er sich unter einem Tisch versteckt. Er hört die Angreifer rufen: «Allah Akbar» (Gott ist gross) und «Wir haben den Propheten gerächt».

Um 11.30 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein, es werden Schüsse aus der Redaktion von «Charlie Hebdo» gemeldet. Sofort werden Polizisten dorthin geschickt.

Schüsse in der Strasse
Die Angreifer treten die Flucht an. Auf der Strasse kommt es zum Schusswechsel mit herbeigeeilten Polizisten. Trotzdem gelingt es den Angreifern, in einen schwarzen Citroën C3 zu steigen. Ein Polizeiwagen kommt ihnen entgegen. Sie feuern auf die Windschutzscheibe, dabei wird kein Polizist verletzt.

Der Citroën rast zum 100 Meter entfernten Boulevard Richard Lenoir und rammt dort einen Polizisten, der auf dem Boden liegen bleibt. Die Männer steigen aus dem Wagen und laufen auf den Beamten zu. Der hebt laut einem im Internet zu sehenden Video die Hand und fragt: «Wollen Sie mich töten?» Einer der Täter antwortet «Ist gut, Chef» − und schiesst dem Polizisten in den Kopf.

Die Angreifer rennen zu ihrem Auto zurück und rufen erneut: «Wir haben den Propheten Mohammed gerächt! Wir haben 'Charlie Hebdo' getötet!» Mit dem Wagen rammen sie ein anderes Auto, die Fahrerin wird leicht verletzt.

Sie fahren weiter bis zur Porte de Pantin im Nordosten von Paris. Dort überfallen sie einen Autofahrer und setzen ihre Flucht in seinem Wagen fort, Richtung Norden. Die Polizei verliert ihre Spur.

Innenminister Bernard Cazeneuve sagt, «drei Verbrecher» seien in den Angriff verwickelt und würden gesucht, ohne die Rolle des dritten Täters zu erläutern. Es werde alles unternommen, um die drei Kriminellen unschädlich zu machen. (sda)