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USA: Ein Kaffeekönig will ins
Weisse Haus

Der langjährige Starbucks-Konzernchef liebäugelt mit einer Präsidentschaftskandidatur – als parteiunabhängiger Zentrist.
Renzo Ruf, Washington
Howard Schultz während einer jährlichen Aktionärsversammlung in Seattle. (Bild: Elaine Thompson/AP; 22. März 2017)

Howard Schultz während einer jährlichen Aktionärsversammlung in Seattle. (Bild: Elaine Thompson/AP; 22. März 2017)

An Selbstvertrauen fehlt es ihm nicht. Howard Schultz zeigt sich überzeugt davon, dass sich die amerikanische Bevölkerung nach einem Präsidentschaftskandidaten sehnt, der kein Interesse an den parteipolitischen Grabenkämpfen in Washington zeigt und beide Grossparteien auf Distanz hält. Ein Kandidat, der den Erfahrungsschatz eines visionären Geschäftsmannes ins Weisse Haus mitbringen würde, der aber trotz seines Erfolges nie vergessen hat, dass seine Eltern mittellos waren und ums Überleben kämpfen mussten. Kurz: Ein Kandidat wie Howard Schultz (65).

Offiziell hat sich der langjährige Konzernchef der Kaffeehauskette Starbucks noch nicht dazu entschieden, in den Wahlkampf 2020 zu steigen. Er führe derzeit noch Gespräche mit seiner Familie, sagt er. Die Publikation einer Autobiographie (Titel: «From the Ground up») sowie ein Auftritt in der renommierten Nachrichtensendung «60 Minutes» deuten aber darauf hin, dass es Schultz mit seiner Präsidentschaftskandidatur ernst meint. So positionierte er sich in dem Beitrag, der am Sonntag auf dem Sender CBS ausgestrahlt wurde, in der Mitte des politischen Spektrums. Schultz sagte: «Mir ist es egal, ob Sie ein Demokrat, ein Parteiloser, ein Staatskritiker oder ein Republikaner sind. Bringen Sie mir Ihre Idee! Und ich werde eine unabhängige Person sein, der diese Ideen unterstützen wird. Weil ich mich in keiner Art und Weise von einer Partei gängeln lasse.»

Besorgt über den Linksrutsch

Offen ist, ob es im politischen Spektrum Platz hat für einen solchen Kandidaten. Schultz bezeichnet sich selbst als «lebenslangen Demokraten»; er gibt sich aber besorgt darüber, wie stark nach links seine Partei in den vergangenen Jahren gerutscht ist. So stört er sich daran, dass eine neue Generation demokratischer Politiker das Gesundheitssystem verstaatlichen will. «Wie sollen wir für das bezahlen, ohne unser Land in den Bankrott zu treiben?»

Schultz wuchs in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in einer Sozialwohnung in New York City auf. Sein arbeitsloser Vater schlug ihn, während seine Mutter versuchte, das Selbstbewusstsein des Knaben zu stärken. Nach Studien an einer Provinz-Universität in Michigan verdingte er sich als Handelsreisender. 1981 stattete er erstmals einem Kaffeehaus am Pike Place Market in Seattle (Washington) einen Besuch ab – auch weil er wissen wollte, warum das kleine Geschäft, im Jahr 1971 unter dem Namen Starbucks gegründet, derart erfolgreich war. Ein Jahr später war er Teil der Geschäftsleitung.

Fast 40 Jahre später betreibt Starbucks rund um den Globus gegen 30 000 Kaffeehäuser und beschäftigt mehr als 275 000 Menschen. Schultz macht kein Geheimnis daraus, dass dieser Erfolg nicht über Nacht kam. Er verweist auch gerne darauf, dass Starbucks unter seiner Ägide ein höchst fortschrittlicher Arbeitgeber war. Politbeobachter geben sich dennoch skeptisch, auch weil der Gastronom kein Charisma besitzt. Der Multimilliardär, der 2016 als Starbucks-Konzernchef zurückgetreten ist, gibt sich derweil ungerührt. Gefragt, ob er nicht zum Steigbügelhalter von Donald Trump werde, weil er die Stimmen der Opposition zersplittere, sagt er: «Ich will sicherstellen, dass die amerikanische Bevölkerung gewinnt.»

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