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JUSTIZ: Vergewaltigung schockiert Indien

Ein brutaler Fall wirft ein Schlaglicht auf erschreckende Zustände im Land. Nach einer staatlichen Studie werden dort mehr als die Hälfte aller Kinder sexuell missbraucht.
Ulrike Putz, Singapur

Ulrike Putz, Singapur

Ein extrem brutaler Vergewaltigungsfall hat in Indien in dieser Woche für Entsetzen gesorgt. Am vergangenen Sonntag war ein nur acht Monate altes Mädchen in Neu-Delhi von seinem 28-jährigen Cousin vergewaltigt und dabei schwer verletzt worden. Die Mutter hatte das Kind bei ihrer Schwägerin gelassen, weil sie zur Arbeit musste. Bei ihrer Heimkehr bemerkte sie, dass die Windel ihrer schreienden Tochter blutdurchtränkt war. Dann entdeckte sie klaffende Wunden.

Im Krankenhaus operierten die Ärzte das Mädchen, das schwere innere Verletzungen davontrug, drei Stunden lang. Laut dem Anwalt der Eltern war das Kind jedoch zuletzt immer noch in Lebensgefahr. Der Cousin des Mädchens legte noch am Sonntag selbst ein Geständnis ab, sagte ein Polizeisprecher. Er habe ausgesagt, dass er betrunken gewesen sei, als er über das Baby hergefallen sei. Der Fall hat in Indien Proteste und erhitzte Diskussionen ausgelöst. Talkshow-Gäste und Kommentatoren fragten laut, wie tief Indien eigentlich noch sinken könne.

Spätestens seit der Massenvergewaltigung im Dezember 2012, als eine 23-jährige Studentin in einem fahrenden Bus zu Tode gequält wurde, ist Sexismus und die desolate Sicherheitslage der Frauen Dauerthema in Indiens Medien. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Sexualverbrechen die Schlagzeilen beherrscht.

Oberster Gerichtshof schaltete sich ein

Der jetzige Fall des vergewaltigten Säuglings war in seiner Grausamkeit jedoch so aussergewöhnlich, dass sich sogar der Oberste Gerichtshof in Delhi einschaltete. Die Kammer ordnete an, dass zwei Spezialisten von Indiens bestem Krankenhaus AIIMS sich um die Kleine kümmern sollten. Das Mädchen solle aus dem Spital in dem Armeleuteviertel, in dem ihre Eltern leben, in das Universitätsklinikum verlegt werden.

Die Familie des Opfers ist auch nach indischen Verhältnissen arm. Die 24-jährige Mutter verdient als Haushaltshilfe 20 Franken im Monat, der Vater, ein 28-jähriger Fliesenleger, macht 130 Franken. Professionelle Kinderbetreuung kann sich das Paar, das auch eine zweijährige Tochter hat, nicht leisten. Wie Millionen anderer Inder ist es darauf angewiesen, seine Kinder bei Verwandten unterzubringen – doch das geht mit Gefahr einher, wie Statistiken zeigen.

Im Jahr 2007 gab das damals frisch gegründete indische Ministerium für Frauen und Kindeswohl die weltweit grösste Studie zur Kindesmisshandlung in Auftrag. Sie sollte ergründen, wie es um die vielen Kinder Indiens – etwa 20 Prozent aller Kinder weltweit leben auf dem Subkontinent – bestellt ist.

Kein Vertrauen in eigene Verwandtschaft

Das Ergebnis war erschreckend. 53 Prozent der befragten Kinder gaben an, Opfer der einen oder anderen Form des sexuellen Missbrauchs geworden zu sein. Die Hälfte der Opfer gab an, dass die Täter Verwandte oder auch andere Vertrauenspersonen gewesen seien.

Selbst den eigenen Verwandten kann man nicht trauen: Das glauben viele Eltern in Indien. Der jetzige Fall hat diese Angst nun noch mehr geschürt. Vor allem Eltern von Töchtern leben in Sorge, die leider begründet ist. Laut der Nationalen Behörde für Kriminalstatistik wurden nämlich in Indien 2016 knapp 20000 Vergewaltigungen von Kleinkindern registriert – 82 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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