Südafrika

Jungpolitiker putschen gegen Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma

Um den Vorsitz der früheren Mandela-Partei ANC wird ein erbitterter Streit ausgefochten. «Alle ausser Zuma!» Unter diesem Namen warben in den letzten Monaten die Gegner im ANC für Vizepräsident Motlanthe.

Markus Schönherr, Kapstadt
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Der umstrittene Parteichef Jacob Zuma.

Der umstrittene Parteichef Jacob Zuma.

Geht es nach den Kühen, wird Präsident Jacob Zuma seine Partei auch bei den nächsten Wahlen anführen. Morgen Sonntag tritt der African National Congress (ANC) zusammen, um seinen Führer für die nächsten fünf Jahre zu bestimmen und damit auch, wer 2014 zu den Präsidentschaftswahlen antritt. Zuma liess in seinem Garten zwölf Kühe schlachten, um sein Glück zu besiegeln. Dabei ist Zuma der Sieg so gut wie garantiert. Im Vorfeld der grossen Parteikonferenz gaben alle neun Provinzen Südafrikas ihre Nominierungen ab. Sechs sprachen sich für den derzeitigen Amtsinhaber aus, drei für Vize-Präsident Kgalema Motlanthe. Ob Motlanthe die Herausforderung überhaupt annimmt, will die Wahlkommission erst bei der Eröffnung der Konferenz bekannt geben.

In Mangaung, im Osten des Landes, werden für das fünftägige Treffen sämtliche 4500 Delegierten des ANC erwartet. Nach Einschätzung des südafrikanischen Politologen Ralph Mathekga kann Zumas Vorsprung immer noch schwinden. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt er: «Anders als bei den Nominierungen, finden die Wahlen bei der Konferenz geheim statt. Dies ist eine Gelegenheit für die Delegierten, ihre Meinung immer noch zu ändern.» Gewinnen werde Zuma vermutlich dennoch.

In einigen Provinzen beschwerten sich die Delegierten über Wahlbetrug. Wie die Zeitung «Cape Times» titelte, hätten «Hooligans» die Nominierungskonferenz in der Provinz Limpopo unterbrochen. «Die Delegierten mussten aus dem Saal fliehen. Es war furchterregend», berichtete Provinzsprecher Makonde Mathivha. In Nordwest wurde eine Klage wegen versuchten Mordes eröffnet, nachdem Unbekannte Schüsse auf den Provinzsekretär abfeuerten. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei mit Gummikugeln auf Anti-Zuma-Demonstranten geschossen. Stimmen wurden laut, der Polizeiminister habe das Feuer vorsätzlich angeordnet.

«Alle ausser Zuma!» Unter diesem Namen warben in den letzten Monaten die Gegner im ANC für Vizepräsident Motlanthe. Laut der «Sunday Times» hätten sie die Hoffnung wenige Tage vor der Konferenz noch nicht aufgegeben und versuchten weiter, andere Delegierte auf ihre Seite zu ziehen. Der ANC ist tief gespalten. Hinter dem traditionellen Zuma-Lager stehen die Überzahl der Funktionäre sowie die mächtige Veteranen- und die Frauenliga des ANC. Motlanthe geniesst die Unterstützung der revolutionär eingestellten Jugendliga.

Mathekga schätzt, der ANC werde stark geschwächt aus der Konferenz heraustreten. Dieses Jahr feierte die Partei ihren 100. Geburtstag. Schon lange gilt sie jedoch nicht mehr als die Befreiungsorganisation, die Nelson Mandela einst zu ihrem Ruhm geführt hatte. Weitgehende Korruption verleiht dem ANC den Schein einer eingeschworenen Elite. Ein Leserbrief in der Cape Times zitiert einen besorgten Bürger: «Der ANC entwickelte sich von einer Partei, die die Sorgen der Menschen zuerst anstellte, zu einer Elite, die Einzelnen die Macht zuschiebt.» 2012 werde für zwei Dinge in Erinnerung bleiben: Einen Staat, abgehobener von den Menschen als jemals zuvor, und Revolten der Armen.

Tatsächlich war 2012 ein Jahr der gewalttätigen Aufstände. Im August waren bei Streiks in der Marikana-Mine 44 Bergleute durch die Kugeln der Polizei gestorben. Jüngst protestierten auch die Farmarbeiter im Westkap und forderten ein Tagesgehalt von 150 Rad (13 Euro). Die Schere zwischen Arm und Reich steht in Südafrika so weit offen, wie kaum wo auf der Welt und die Ungleichheit wächst. Zumas Sieg könnte eine Lösung bringen - nicht wegen ihm, sondern seines Vizekandidaten: Cyril Ramaphosa ist einer der einflussreichsten Geschäftsmänner des Landes. Seine politische Laufahn startete er als Gewerkschaftsaktivist. Politologe Mathekga glaubt, dass Ramaphosa sowohl in der Partei als auch in der Bevölkerung breite Unterstützung geniesst. «Durch seine Erfahrung in der Gewerkschaft und sein grosses Verständnis für die Herausforderungen in Südafrika, besitzt er grosses Potenzial, die Probleme des Landes anzupacken.»