Jüdische Siedler bereiten sich auf Bauarbeiten vor

«Die Bauarbeiter sind für nächsten Montag bestellt», frohlockt Judith Amichai in der Siedlung Tekoa vor dem Grundstück, auf dem ihre Tochter Ortal eines Tages ihr eigenes Heim haben soll. Am Sonntag läuft das auf zehn Monate angelegte Siedlungs-Moratorium im Westjordanland aus.

Drucken
Teilen

«Die Bauarbeiter sind für nächsten Montag bestellt», frohlockt Judith Amichai in der Siedlung Tekoa vor dem Grundstück, auf dem ihre Tochter Ortal eines Tages ihr eigenes Heim haben soll. Am Sonntag läuft das auf zehn Monate angelegte Siedlungs-Moratorium im Westjordanland aus.

Gibt Abbas erneut nach?

Das Ende des Moratoriums droht die erst Anfang September wieder aufgenommenen Friedensgespräche wieder zu beenden. Die PLO hatte eine Fortsetzung des Baustops zur strikten Bedingung gemacht.

Diese Woche signalisierte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas indes: Die Wiederaufnahme der Siedlungsbauten werde die Verhandlungen nicht zwingend beenden, nur «sehr erschweren».

Die USA hoffen noch immer auf einen Kompromiss. Möglich wäre, dass nur in den so genannten Siedlungsblöcken, die wahrscheinlich im Rahmen der End-Status-Lösung ohnehin Israel angegliedert werden, weitergebaut werden darf, während das Moratorium für die isolierten Siedlungen weiterhin gilt.

Die Siedlung Tekoa liegt im östlichen Winkel des Siedlungsblocks Gush Etzion und könnte zum Streitpunkt werden. «Wir haben uns darauf verlassen, dass nach zehn Monaten weitergebaut wird», sagt Judith, die nicht an territoriale Kompromisse glaubt.

Dass die PLO erneut zum Einlenken bereit scheint, mag die akute Krise beilegen.

Die latente Bedrohung für die Verhandlungen bleibt jedoch bestehen, solange es keine Einigung darüber gibt, in welchem Umfang in welchen Siedlungen gebaut werden darf. In den Reihen der Palästinensischen Befreiungsorganisation wächst der Druck der Kritiker, von denen viele der Ansicht sind, dass Abbas die Verhandlungen gar nicht erst hätte aufnehmen dürfen.

Palästinenser solle in den Sinai

Netanyahu wiederum hat vor allem innerhalb seiner Partei zu kämpfen, in der die schärfsten Gegner des Baustops sitzen. «Er ist uns in den Rücken gefallen», schimpft Judith Amichai. Seit 35 Jahren lebt sie schon in Tekoa. Die Lösung zweier Staaten für zwei Völker findet Judith prinzipiell gut, nur nicht in Form von Israel und Palästina. «Wir bleiben hier», schlägt sie vor, «und die Palästinenser bekommen den Sinai».

Susanne Knaul, Tekoa