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Joshua Wong: Der Drachentöter gerät wieder in Pekings Visier

Der Aktivist wurde am Freitag in Hongkong vorübergehend verhaftet. Er wehrt sich dagegen, das Gesicht der Proteste zu sein.
Felix Lee aus Peking
Im Juni 2019 gab Joshua Wong unserer Zeitung ein Interview, am Freitag nun wurde er erneut verhaftet. (Bild: Bildausriss)

Im Juni 2019 gab Joshua Wong unserer Zeitung ein Interview, am Freitag nun wurde er erneut verhaftet. (Bild: Bildausriss)

Joshua Wong wirkt sichtlich gefasst, als er am Freitag nach mehr als sieben Stunden in Gewahrsam aus dem Dienstgebäude der Hongkonger Polizei tritt. «Wir werden unseren Kampf fortsetzen, egal, wie sie uns verhaften und verfolgen», ruft er seinen Anhängern zu. Das sagt er so selbstbewusst, als gehöre es für ihn zum Alltag, ab und zu festgenommen zu werden. Tatsächlich war er erst im Juni nach einem Monat im Knast entlassen worden.

Wong war schon bei den «Regenschirmprotesten» vor fünf Jahren die Ikone der Bewegung in Hongkong. Damals waren ebenfalls Hunderttausende für mehr Demokratie auf die Strasse gegangen. Weil die aktuelle Bewegung keine klare Führung hat – nicht zuletzt, um Repressionen zu entgehen –, ist Wong noch immer das Gesicht der Demokratie-Bewegung.

Am Freitagmorgen ist er auf dem Weg zur Zentrale seiner Partei Demosisto auf offener Strasse von Zivilbeamten in ein Privatauto gestossen und in die Polizeizentrale gebracht worden. Seine Mitstreiterin Agnes Chow holten die Sicherheitskräfte von zu Hause ab. «Wir wissen noch nicht, was den beiden vorgeworfen wird», schrieb Demosisto in einer kurzen Stellungnahme wenig später. Die Hongkonger Polizei bestätigte daraufhin die Festnahme. Es gehe um ihre Rolle bei einem nicht genehmigten Protest am 21. Juli, teilten die Beamten mit. Nachdem die Partei ihre Anwälte eingeschaltet hatten, kamen beide gegen Kaution frei.

Joshua Wong ist mit seinen gerade einmal 22 Jahren schon Generalsekretär der von ihm 2015 mitgegründeten prodemokratischen Partei Demosisto. Geboren 1996 machte der Sohn christlicher Eltern bereits im jungen Alter von 14 Jahren in Hongkong von sich Reden. Er hatte mit Freunden die Initiative «Scholarism» gegründet. Sie wendete sich gegen die Pläne der Hongkonger Regierung, an den Schulen künftig mehr «moralische und patriotische Erziehung» zu betreiben.

Schon mit 17 unerschrocken gegen das Riesenreich

Wong sah darin einen Versuch der kommunistischen Führung, rote Propaganda zu betreiben. Dabei gilt in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong seit der Übergabe 1997 an die Volksrepublik China der Grundsatz «ein Land, zwei Systeme». Peking hatte versprochen, dass die Stadt für weitere 50 Jahre ihre Rechtsordnung. Von oben befohlene Propaganda liegt da eigentlich nicht drin.

Weltweit bekannt wurde Wong spätestens während der Demokratie-Proteste vor fünf Jahren. Als gerade mal 17-Jähriger bot er der mächtigen kommunistischen Führung in Peking die Stirn und organisierte die grössten Proteste seit der Rückgabe Hongkongs an die Volksrepublik 1998.

Auf Wongs Anliegen ging weder die Regierung in Hongkong noch die Zentralregierung in Peking ein. Im Gegenteil: Die Hongkonger Behörden sorgten dafür, dass er wegen der von ihm mitorganisierten Protestaktionen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Dass die neuen Proteste bitternötig sind, brachte Wong im Interview mit dieser Zeitung im Juni klar zum Ausdruck: «Die Regenschirmproteste haben zwar die Grundpfeiler gelegt. Aber uns war es nicht gelungen, politische Reformen einzuleiten. Das Regime ist unverändert geblieben», sagte Wong.

Ob die aktuellen Proteste daran etwas ändern, bleibt weiter offen. Am Donnerstag hatte die Polizei sämtliche fürs Wochenende geplanten Grossdemonstrationen und Kundgebungen der Demokratiebewegung gegen die pekingtreue Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone verboten. Die Behörden begründen das Demonstrationsverbot damit, dass Teilnehmer der Demonstration «gewalttätige und destruktive Taten» begehen könnten. Die Civil Human Rights Front, eine der Organisationen, hat den Protest offiziell abgesagt. Man wolle Sorge tragen, dass niemand die rechtlichen Konsequenzen für eine Teilnahme tragen müsse. Doch viele in Hongkong sind sich sicher. Angesichts der zeitweisen Verhaftung ihres prominentesten Aktivisten werden die Proteste trotzdem stattfinden.

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