Jordanien will sich am IS rächen

Nach der grausamen Ermordung eines Kampfpiloten will die jordanische Regierung den Kampf gegen den «Islamischen Staat» verstärken. Längst nicht alle Jordanier sind damit einverstanden.

Michael Wrase
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LIMASSOL/AMMAN. Die Wut und die Empörung über die entsetzlichen Internet-Bilder der Verbrennung des jordanischen Piloten Moaz al-Kasasbeh ist in Amman grenzenlos. Ab sofort gelte die Devise «Auge um Auge, Zahn um Zahn», hat ein Regierungssprecher gedroht. Die Welt werde nun «welterschütternde Antworten» sehen, verkündete ein Vertreter der königlichen Luftwaffe an.

Gewalt mit Gewalt beantwortet

Was die Jordanier wenige Stunden später taten, wurde den vollmundigen Versprechungen indes nicht gerecht. Anstatt unverzüglich die IS-Hauptstadt Rakka, wo der junge Jordanier so qualvoll um Leben kam, anzugreifen, wurden in einem Gefängnis bei Amman zwei Jihadisten gehängt. Unter ihnen war mit Sajida al-Rishawi die Schwester von IS-Gründer Abu Mussab al-Zarkawi. Die 46 Jahre alte Frau scheiterte vor zehn Jahren mit einem Selbstmordattentat auf eine Hochzeitsfeier in Amman und wurde anschliessend in erster Instanz zum Tode verurteilt. Allerdings sollte das Verfahren wieder aufgenommen werden. Darauf verzichtete die jordanische Justiz nach dem Tod des Piloten. Ob dies den IS beeindrucken wird, ist fraglich.

«Alle sind jetzt Moaz al-Kasasbeh»

Der Vater des ermordeten Kampfpiloten betonte gestern, dass es nicht ausreiche, «einige Gefangene hinzurichten». «Ich rufe alle arabischen Staaten und die Koalition auf, den IS jetzt auszulöschen», sagte Safi al-Kasasbeh. «Unsere Rache wird das Ausmass des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde», kündigte wenig später ein Armee-Sprecher an. «Wir alle sind jetzt Moaz al-Kasasbeh». Bis zum Tod des Kampfpiloten war die Beteiligung der Streitkräfte am Kampf gegen die IS-Terroristen in Jordanien höchst umstritten.

Keine Mehrheit für Anti-IS-Koalition

Gestern gingen in Kerak, der Heimatstadt der Familie al-Kasasbeh, Hunderte auf die Strassen. Sie verdammten den IS, warfen aber auch der Regierung vor, nicht genug für die Freilassung des Piloten getan zu haben. Hätte sich das haschemitische Königreich nicht an der Anti-IS-Koalition beteiligt, wäre dem Land das Drama um Moaz al-Kasasbeh erspart geblieben, hiess es.

Wie die meisten Jordanier dürften auch sie nach der Ermordung des Piloten Racheaktionen gegen den IS begrüssen. Eine allumfassende Bekämpfung der Jihadisten wird in Jordanien aber keine Mehrheit finden. Zu gross ist die Angst, in einen Abnutzungskrieg mit dem IS hineingezogen zu werden. Viele fromme Jordanier lehnen es zudem grundsätzlich ab, dass die Armee an der Seite der Amerikaner in den Krieg zieht. Schliesslich könnten gute Moslems nicht an der Seite von «Ungläubigen» kämpfen.

Widerliche Propaganda

Auch der ermordete jordanische Pilot war vom IS gezwungen worden, Jordaniens Beteiligung in der Anti-IS-Koalition zu verurteilen. «Verzichtet darauf, eure Kinder in Missionen gegen Moslems zu schicken, dann wird euren Familien mein Schicksal erspart bleiben», musste er vor seinem Tod in eine Kamera sprechen. Anschliessend wurde der Pilot in einem Käfig mit Benzin übergossen und angezündet.

«Die Heilung der Seelen der Gläubigen», nennt der IS sein perverses Bekenner-Video, das er ins Internet gestellt hat. Es wurde bereits in sieben Sprachen übersetzt.

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