Jordanien beginnt seine Vergeltung gegen den IS

LIMASSOL. Jordaniens Luftwaffe greift den Islamischen Staat an. Zur Besänftigung der aufgebrachten Bevölkerung werden die Angriffe von den Medien wirkungsvoll dokumentiert.

Michael Wrase
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Abdullah II. König von Jordanien (Bild: ap)

Abdullah II. König von Jordanien (Bild: ap)

LIMASSOL. Jordaniens Luftwaffe greift den Islamischen Staat an. Zur Besänftigung der aufgebrachten Bevölkerung werden die Angriffe von den Medien wirkungsvoll dokumentiert.

Perfekte Inszenierung

Es war eine fast perfekt vorbereitete Choreographie: Mit Tränen in den Augen tröstet König Abdullah die Familienangehörigen des vom IS bestialisch ermordeten jordanischen Piloten. Man hört das Dröhnen von Flugzeugmotoren, und der zuvor unterrichtete Monarch zeigt auf zwei F-16-Maschinen, die verhältnismässig langsam über das Haus der Trauernden fliegen.

Die Jets kämen gerade von einem Angriff auf die IS-Hauptstadt Rakka zurück, erklärt der Monarch dem erstaunten Vater des Piloten. Die Szene wird später im Staatsfernsehen im Halbstundentakt wiederholt. Es folgten Bilder jordanischer Soldaten, die Verse aus dem Koran und Slogans gegen die Terrormiliz – «Für Euch, Feinde des Islam» – auf Bomben und Raketen schreiben, welche später anscheinend auf Waffendepots der Jihadisten abgefeuert wurden. «Unsere Vergeltung hat begonnen», kommentiert eine pathetische Stimme das Geschehen.

Mehr gemeldet als getan

Die Angriffe seien «erst der Anfang», erklärt auch Jordaniens Aussenminister Nasser Judeh einem CNN-Reporter – und verspricht: «Wir werden sie angreifen, mit allem, was wir haben.» 30 Kampfflugzeuge sollen sich an den gestern fortgesetzten Bombenangriffen auf IS-Ziele beteiligt haben. Westliche Diplomaten in Amman gehen jedoch von einer weitaus geringeren Zahl aus. Getroffen wurden neben Waffendepots auch Ausbildungslager der Jihadisten. Der vom König gemeldete Angriff auf Rakka sei von Gewährsleuten der syrischen Opposition dagegen nicht bestätigt worden, berichtete die BBC.

Bei der Auswahl der Ziele erhält die jordanische Luftwaffe Hilfe von den Amerikanern, die mit ihren Maschinen die Jets der jordanischen Luftwaffe auch begleiten sollen. Auf Wunsch Jordaniens und anderer arabischer Staaten haben die USA inzwischen zusätzliche Helikopter in Irak stationiert. Sie sollen zur rascheren Bergung verunglückter oder abgeschossener Kampfpiloten eingesetzt werden. Denn das Drama um Moaz al-Kasasbeh darf sich auf keinen Fall wiederholen.

Zehntausende für Krieg gegen IS

Dagegen dementierte Jordaniens Regierungssprecher Mohammed al-Momni gestern Berichte lokaler Medien, nach denen sich König Abdullah an den Vergeltungsschlägen persönlich beteiligen werde. Seine Majestät habe andere Aufgaben. Abdullah ist im Staatsfernsehen allgegenwärtig. Er vermittelt den Eindruck eines entschlossenen, wenn auch mitunter ein wenig ungelenk wirkenden Herrschers, der sein Land in Krisenzeiten souverän führen kann.

Die Präsenz des Königs, die vom Fernsehen unermüdlich zelebriert wird, trägt zur Besänftigung der aufgebrachten Jordanier bei. Sie gingen gestern nach dem Freitagsgebet zu Zehntausenden auf die Strasse und skandierten «Ja zum Krieg gegen den IS!». Diese Losung gaben nun auch islamische Geistliche aus, die nach der Verschleppung von Moaz al-Kasasbeh eine Beteiligung Jordaniens am Krieg gegen den IS noch abgelehnt hatten.

Nach dem Absturz des jordanischen Piloten hatten die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien auf Kampfeinsätze in Syrien und Irak verzichtet. Ob sich die beiden Länder jetzt an der jordanischen Vergeltung beteiligen, ist nicht bekannt.

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