John Kerry listet Anklagepunkte auf

WASHINGTON. Egal wie sorgsam US-Präsident Barack Obama die Worte wählte, die Botschaft gestern Nachmittag war unmissverständlich. Der Friedensnobelpreisträger könnte schon an diesem Wochenende den Chemiewaffen-Angriff von Ghouta vergelten.

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WASHINGTON. Egal wie sorgsam US-Präsident Barack Obama die Worte wählte, die Botschaft gestern Nachmittag war unmissverständlich. Der Friedensnobelpreisträger könnte schon an diesem Wochenende den Chemiewaffen-Angriff von Ghouta vergelten. Er habe noch keine Entscheidung getroffen, denke aber «über eine enge, begrenzte Aktion» nach. «Wir erwägen kein unbefristetes Engagement. Wir ziehen keine Bodentruppen in Betracht.»

Kerrys Anklagepunkte

Obama hatte kurz zuvor seinen Aussenminister vor die Kameras geschickt. John Kerry trug das Sündenregister des Regimes vor, das die US-Geheimdienste zusammengetragen haben. Kerry bezifferte die Zahl der Toten des Giftgasangriffs mit 1426, darunter 426 Kinder. Wie ein Staatsanwalt listet er dann die Anklagepunkte auf. Zum ersten: Syrische Chemie-Waffen-Einheiten sollen sich drei Tage vor dem Angriff in dem betroffenen Gebiet aufgehalten und Vorbereitungen getroffen haben. Zum zweiten: Die Truppen hätten spezifische Anweisungen erhalten, Gasmasken anzulegen und Vorsicht bei der Handhabung walten zu lassen. Zum dritten: Die USA wüssten, um welche Zeit die Raketen von wo verschossen worden seien, wo sie landeten und was daraufhin passiert sei.

Mit oder ohne Segen

Es gebe darüber hinaus klare Beweise, «dass ein hoher Regierungsmitarbeiter, der von dem Angriff wusste, sich den Einsatz der Chemiewaffen durch das Regime bestätigen liess, die Auswirkungen begutachtete und sich sorgte, diese könnten entdeckt werden.» Kerry und Obama liessen keinen Zweifel daran, dass die USA mit oder ohne Segen der Vereinten Nationen handeln würden. Die Einhaltung der «roten Linie» werteten beide als Frage der Glaubwürdigkeit und im Interesse der Nationalen Sicherheit.

Analysten sehen in der Offensive der US-Regierung ein klares Indiz, für eine bevorstehende Strafaktion an diesem Wochenende. Thomas Spang