Joe Biden distanziert sich von gewaltsamen Protesten: «Wer Gewalt anwendet, soll vor Gericht gestellt werden»

Mit seiner Ansprache reagierte Biden auf die Kritik, er unternehme zu wenig, um die Ausschreitungen zu stoppen. Donald Trump kündigte derweil ganz eigene Auftrittspläne an.

Renzo Ruf aus Washington und Samuel Schumacher
Drucken
Teilen
«Sehe ich aus wie ein radikaler Sozialist?», fragte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei seinem Auftritt in Pittsburgh.

«Sehe ich aus wie ein radikaler Sozialist?», fragte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei seinem Auftritt in Pittsburgh.

Keystone

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat in einer Ansprache in der Stadt Pittsburgh am Montagabend deutliche Kritik an den gewaltsamen Ausschreitungen in verschiedenen amerikanischen Städten geübt. «Ich will es in aller Klarheit sagen: Vandalieren, klauen und Gebäude in Brand stecken hat nichts mit Protest zu tun. Das ist schlicht Gesetzlosigkeit», sagte der 77-Jährige.

«Wer Gewalt anwendet, soll vor ein Gericht gestellt werden.»

Der Auftritt war mit Spannung erwartet worden. Der gemässigte Demokrat Biden ist auf die Unterstützung linker Wählerkreise angewiesen, die bei den Vorwahlen dem unabhängigen Kandidaten Bernie Sanders nacheiferten. Viele Linke sehen in den gewaltsamen Protesten ein legitimes Mittel gegen die als unterdrückerisch wahrgenommenen Sicherheitsbehörden. Von gemässigten Kreisen wurde Biden für seine bislang zu wenig energische Verurteilung der Gewalt kritisiert.

«Sehe ich aus wie ein radikaler Sozialist?»

Der Präsidentschaftskandidat wies auch die Behauptung der Republikaner zurück, er werde von linksradikalen Kräften instrumentalisiert. «Sehe ich aus wie ein radikaler Sozialist, der ein Faible für Plünderer hat», sagte Biden, den Blick starr in die Fernsehkamera gerichtet.

Biden nutzte seine knapp 25 Minuten dauernde Rede aber auch dazu, den Vorwurf gegen Präsident Donald Trump zu erneuern, er schüre die Gewalt in Amerikas Städten, weil er der Meinung sei, davon politisch zu profitieren. Der Demokrat sagte, diese Argumentation Trumps sei buchstäblich absurd – er behaupte, dass ein Präsident Biden Gewalt tolerieren werde, obwohl sich die Vorfälle doch während seiner Amtszeit ereigneten. «Er ist Präsident» - und damit zuständig für die Durchsetzung von «Recht und Ordnung».

Trump hat angekündigt, am Dienstag nach Kenosha zu reisen, um sich dort persönlich bei den Ordnungshütern für ihre Arbeit zu bedanken. Ein Gespräch mit der Familie von Jacob Blake – dem Afroamerikaner, der am vorvergangenen Sonntag durch einen weissen Polizisten schwer verletzt worden war – ist nicht vorgesehen.