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Jetzt nimmt Trump auch französische Weine ins Visier

US-Präsident Donald Trump eröffnet ein neues Kapitel im Handelsstreit mit Europa: Er kündigt Strafzölle gegen französische Weine an – und weckt damit bei den Winzern von Bordeaux böse Erinnerungen an die Zeit des Irakkriegs.
Stefan Brändle, Paris
Die französischen Winzer reagieren besorgt auf die neuen US-Strafzölle. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA, Octon, 17. September 2013)

Die französischen Winzer reagieren besorgt auf die neuen US-Strafzölle. (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA, Octon, 17. September 2013)

Eben zurück aus Frankreich, wo er an den Gedenkfeiern zur Landung der Alliierten in der Normandie im Jahr 1944 teilgenommen hatte, knöpft sich Donald Trump die französischen Weine vor. «Frankreich besteuert amerikanische Weine sehr stark, während wir französische Weine nur schwach belasten», meinte er auf dem Wirtschaftsnachrichtensender CNBC.

Der französische Wein habe zwar einen sehr guten Ruf, bekannte der US-Präsident, der selber keinen Tropfen Rebsaft trinkt. Die kalifornischen Winzer hätten ihm aber bedeutet, dass die USA französische Weine für nichts ihren Markt liessen, umgekehrt aber viel Geld zahlten, um US-Produkte in Frankreich zu verkaufen. Das sei unfair, meinte Trump, um zu schliessen: «Wir werden etwas dagegen unternehmen.»

«US-Importeure könnten Bestellungen stornieren»

Was er damit genau meinte, präzisierte der US-Präsident in dem Interview nicht. Im Auge hat er zweifellos eine Erhöhung der Zölle auf französische Weine. Sein Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Während die Amerikaner die Weinimporte aus Europa je nach Flasche und Inhalt mit 5 bis 13 Cents belasten, kassieren die Europäer für ­amerikanische Weine mehr als doppelt so viel, nämlich 11 bis 29 Cents. Letztere Abgabe legt die EU-Kommission fest, nicht Frankreich. Trump spricht allerdings – und dies nicht zum ersten Mal – lediglich die französischen Weine an, die in den USA als Prestigeprodukt gelten.

In Paris und Bordeaux wird die Ankündigung neuer Strafzölle sehr ernst genommen. «Wir sind in Sorge, denn die USA sind gerade für die grossen Bordeaux-Jahrgänge ein gewaltiger Markt», sagt der Weinhändler Jean-Pierre Rousseau. «Schon jetzt könnten US-Importeure die Bestellungen stornieren, weil sie zuerst Klarheit über die geltenden Tarife haben wollen.» Rousseau beklagt, dass die französischen Weine immer wieder als Geisel genommen würden: «Als die Amerikaner im Irakkrieg unsere Weine boykottierten, war das für unsere Exporte sehr hart.»

Heute sind die USA für die französischen Winzer der erste Exportmarkt. Vor allem die teuren Tropfen aus dem Bordelais und dem Burgund erleben bei den Amerikanern, die insgesamt mehr Wein trinken als die Franzosen oder die Italiener, jährliche Zuwachsraten von fünf Prozent. Weine, Champagner und Spiri­tuosen wie Cognac bilden heute die zweitwichtigste Exportbranche Frankreichs nach der Luftfahrt (Airbus). Dagegen wiegen die Kalifornier-Weine in Europa weniger, auch wenn sie in den letzten zehn Jahren stark aufgeholt haben. Inzwischen ist der europäische Binnenmarkt ihr grösster Abnehmer.

Franzosen rufen zu Gegenmassnahmen auf

Donald Trump scheut sich nicht, mit seiner Ankündigung einen neuen Handelsstreit über den Atlantik hinweg zu lancieren. Wenn er bewusst die französischen Weine angreift, bleibt er auch seiner Taktik treu, gezielt einzelne Länder herauszupicken und bilaterale Verhandlungen anzustreben, in denen die USA mehr Gewicht auf die Waage bringen. Zugleich macht der amerikanische Präsident klar, dass er auch die Agrarprodukte in die geplanten Freihandelsgespräche zwischen den USA und der EU einbeziehen will.

Dies aber lehnen vor allem die Franzosen kategorisch ab. In den sozialen Netzwerken waren deshalb zahlreiche Beiträge zu ­lesen, in denen Franzosen dazu aufriefen, als Gegenmassnahme amerikanische Fastfood-Ketten mit höheren Strafzöllen zu belegen. Da Frankreich gegenüber den USA ein Handelsdefizit aufweise, sei es ein Leichtes, Trumps Drohung zu kontern.

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