JERUSALEM: Gewaltspirale um Jerusalemer Tempelberg geht weiter

Der Streit über verschärfte Kontrollen am Jerusalemer Tempelberg hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Ein Angreifer sei in ein Haus eingedrungen und habe auf vier israelische Zivilisten eingestochen.

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Nach dem tödlichen Anschlag auf eine jüdische Siedlerfamilie im Westjordanland drangen israelische Soldaten gestern in den Heimatort des palästinensischen Attentäters ein. Sie hätten in dem Ort bei Ramallah das Haus des 19-Jährigen durchsucht und seinen Bruder festgenommen, sagte eine israelische Armeesprecherin. Nach Medienberichten wird der Bruder der Mithilfe verdächtigt. Der Ort sei abgeriegelt worden, hiess es.

Die Sprecherin bestätigte, dass das Haus des Attentäters in Vorbereitung auf seine Demolierung vermessen wurde. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma’an kam es zu Konfrontationen mit jugendlichen Einwohnern der Ortschaft Kubar. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der den Ort des Anschlages in Begleitung von Generalstabschef Gadi Eisenkot besuchte, kündigte die baldige Zerstörung des Hauses des Palästinensers an.

Er forderte von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine «klare Verurteilung des Massakers, das gestern an einer unschuldigen Familie verübt wurde, die niemanden gefährdete, während ihres Sabbat-Abendessens».

Drei Zivilisten getötet

Der Attentäter war gestern Abend in ein Wohnhaus in der Siedlung Neve Zuf eingedrungen, in der eine Familie gerade zu Abend ass. Er tötete mit einem Messer den Grossvater sowie dessen erwachsenen Sohn und Tochter. Die Enkelkinder waren nach Medienberichten in einem Nebenraum versteckt. Die Grossmutter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Der Angreifer wurde verletzt festgenommen und wird in einer israelischen Klinik bei Tel Aviv behandelt. Vor der Tat war der Streit um den Tempelberg in Jerusalem gefährlich eskaliert: Bei Zusammenstössen mit israelischen Sicherheitskräften wurden gestern mindestens drei Palästinenser getötet und rund 400 weitere verletzt. Die Palästinensische Autonomiebehörde setzte ihre Beziehungen zu Israel aus Protest aus. (sda)