Jemen-Krieg droht auf Saudi-Arabien überzugreifen

LIMASSOL/SANAA. Bei einem Angriff von Huthi-Milizen auf einen Armeestützpunkt in der Nähe der südsaudischen Grenzstadt Najran sind am Wochenende mindestens drei saudische Soldaten getötet worden.

Michael Wrase
Drucken
Teilen

LIMASSOL/SANAA. Bei einem Angriff von Huthi-Milizen auf einen Armeestützpunkt in der Nähe der südsaudischen Grenzstadt Najran sind am Wochenende mindestens drei saudische Soldaten getötet worden. Nach Einschätzung eines Korrespondenten des Fernsehsenders Al Jazira wollten die schiitischen Rebellen mit dem Überfall demonstrieren, dass sie trotz anhaltender Luftangriffe in der Lage sind, den Jemen-Krieg auf saudisches Territorium auszuweiten. Dabei könnten sie bewusst das Gebiet um Najrin gewählt haben, in der mehrheitlich Ismailiten leben, die sich als sogenannte «Siebenerschiiten» von Saudi-Arabien diskriminiert fühlen. Im Jahr 2000 kam es in der Stadt, die bis 1934 zu Jemen gehörte und dann von Saudi-Arabien annektiert wurde, zu schweren Unruhen.

Evakuierungen geplant

Die saudischen Behörden nehmen die sich häufenden Scharmützel an ihrer Südgrenze nicht auf die leichte Schulter. Nach einem Bericht der «Saudi Gazette» planen sie die Evakuierung von 96 Ortschaften in der Grenzregion. Ihre Bewohner müssten vor Übergriffen der Huthis geschützt werden, zitiert das Blatt einen saudischen Hauptmann. Ein anderer Grund für die von Beobachtern als übertrieben bewertete Räumung könnte die Furcht Riads vor einer Solidarisierung der überwiegend aus Jemen stammenden Bewohner der Grenzregion mit den Huthis sein.

Die schiitischen Rebellen waren bereits während des Grenzkrieges im Jahr 2009 auf saudisches Territorium vorgedrungen und hatten dort 130 saudische Soldaten, deren Ausbildungsstand damals als miserabel beschrieben wurde, getötet. Inzwischen scheinen die Grenztruppen besser ausgerüstet zu sein. Dennoch verlässt sich Riad im Bodenkampf gerne auf moslemische Verbündete. Die Weigerung Pakistans, Soldaten nach Saudi-Arabien zu schicken, hat daher in saudischen Regierungskreisen für erheblichen Unmut gesorgt.

Vormarsch fortgesetzt

Trotz der seit 18 Tagen anhaltenden saudischen Luftangriffe haben die Huthis und die mit ihnen verbündete jemenitische Armee ihren Vormarsch auch im Osten des Landes fortgesetzt. Am Wochenende erreichten sie die strategisch wichtige Stadt Serwah, um von dort weiter in die Provinz Marib vorzustossen. In dem von verfeindeten Bergstämmen und Al Qaida kontrollierten Gebiet befinden sich die wichtigsten Öl- und Gasanlagen des Landes. Heftige Kämpfe toben auch in Aden.

Hoffnungsschimmer

Als kleiner Hoffnungsschimmer im Jemen-Krieg könnte die Rückkehr des omanischen Sultans Qaboos nach Muskat gewertet werden. Der schwerkranke Herrscher wurde in den letzten Monaten in Deutschland behandelt. Als Vermittler könnte er mit seiner Präsenz in Oman den Konflikt entschärfen helfen. Iranische, omanische und pakistanische Aufrufe zu einer Verhandlungslösung wurden von saudischen Regierungssprechern am Wochenende allerdings barsch zurückgewiesen. Iran habe nicht das Recht, zu einer Waffenruhe in Jemen aufzurufen, empörte sich der saudische Aussenminister Saud al Faisal.

Aktuelle Nachrichten