Jemen-Gespräche in Genf vorerst gescheitert

LIMASSOL/GENF. Eine zierliche Dame mit Kopftuch hat die Fassung verloren. Zuerst schleudert sie einen Schuh gegen den Delegationsleiter der Huthi an den Genfer Friedensgesprächen, dann beschimpft sie ihn als «Mörder und Verbrecher».

Michael Wrase
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Hamza al-Huthi, Delegationsleiter der jemenitischen Rebellen. (Bild: ky/Martial Trezzini)

Hamza al-Huthi, Delegationsleiter der jemenitischen Rebellen. (Bild: ky/Martial Trezzini)

LIMASSOL/GENF. Eine zierliche Dame mit Kopftuch hat die Fassung verloren. Zuerst schleudert sie einen Schuh gegen den Delegationsleiter der Huthi an den Genfer Friedensgesprächen, dann beschimpft sie ihn als «Mörder und Verbrecher». Seine Banden verbreiteten in der Hafenstadt Aden «Krankheit und Tod», behauptet die von sechs Männern unterstützte Aktivistin im Schweizer Presseklub. Es folgen Handgreiflichkeiten zwischen den Anhängern der Verhandlungsdelegationen.

Diese hatten zuvor in getrennten Gesprächen mit UNO-Vertretern über Modalitäten einer humanitären Waffenruhe gesprochen – dabei aber erwartungsgemäss nur wenig Spielraum für einen Kompromiss gelassen.

Verhärtete Fronten

Die Huthi wollen zwar einen Waffenstillstand. Bedingung dafür sei jedoch ein Ende der seit elf Wochen andauernden saudischen Luftangriffe in Jemen. Das kommt für Riad und die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Exilregierung erst nach einem Abzug der schiitischen Rebellen aus allen jemenitischen Städten in Frage – also nach einer Kapitulation der Huthi.

«Unglücklicherweise haben die Huthi keine einzige unserer Forderungen erfüllt», sagte der jemenitische Aussenminister Riad Yassin gestern nachmittag dem Fernsehsender «Al Jazira». Seine Delegation werde daher Genf heute verlassen.

UNO-Sprecher Ahmed Fawzi hatte zuvor eine Verlängerung der Verhandlungen über das Wochenende hinaus nicht ausgeschlossen und «mögliche Fortschritte» in Aussicht gestellt.

Dramatische humanitäre Lage

Unterdessen haben die UNO und internationale Hilfsorganisationen ihre Warnungen vor einer humanitären Katastrophe erneuert. 21 Millionen Jemeniten, 80 Prozent der Bevölkerung, seien inzwischen auf Überlebenshilfe angewiesen, sagte UNO-Sprecher Jens Laerke gestern. 1,6 Milliarden Dollar an zusätzlichen Hilfsgeldern würden sofort gebraucht, um das «sich anbahnende Unglück» im Armenhaus Arabiens zu verhindern.

Besonders dramatisch ist die Lage in Aden. In der von den Huthi belagerten Hafenstadt sind über 5000 Menschen an Denguefieber erkrankt. Bis zu dreissig sterben jeden Tag. Abfallberge, Schmutzwasser und Hitze fördern die Verbreitung des von Mücken übertragenen Virus. Weil sauberes Wasser fehlt, beginnt sich auch Cholera auszubreiten. Spitäler müssen den Betrieb einstellen, weil kein Diesel für Generatoren da ist. Die unterernährten Menschen sterben inzwischen an einfachen Krankheiten, klagen Ärzte.