Jemen droht nach 25 Jahren erneut die Spaltung

SANAA. Genau 25 Jahre ist es her, dass die Grenzen zwischen der (nord)-jemenitischen Arabischen Republik und der Volksdemokratischen Republik (Süd)-Jemen geöffnet wurden. Die Vereinigung der beiden Staaten wurde am 22. Mai 1990 vollzogen.

Michael Wrase
Merken
Drucken
Teilen
Bewaffnete Huthis in Sanaa. (Bild: ap)

Bewaffnete Huthis in Sanaa. (Bild: ap)

SANAA. Genau 25 Jahre ist es her, dass die Grenzen zwischen der (nord)-jemenitischen Arabischen Republik und der Volksdemokratischen Republik (Süd)-Jemen geöffnet wurden. Die Vereinigung der beiden Staaten wurde am 22. Mai 1990 vollzogen. Nun steht das ärmste arabische Land erneut vor der Spaltung: Nach der Besetzung der Hauptstadt Sanaa, der strategisch bedeutenden Hafenstadt Hodeida am Roten Meer sowie weiter Teile von Zentral- und Nord-Jemen durch die schiitischen Huthi-Rebellen wurde in der (süd)-jemenitischen Handelsmetropole Aden gestern der Flug- und Seehafen geschlossen.

Dies geschehe aus Solidarität mit dem Präsidenten Abdel Rabbo Mansur Hadi, der in Sanaa nichts mehr zu sagen hat. Sein Palast war am Dienstag von den Huthis gestürmt worden. Sein Wohnhaus, wo Hadi sich aufhält, ist von den Milizen umzingelt. Er habe die Kontrolle über das Land verloren, musste Informationsministerin Nadia Sakkaf gestern zugeben. Nur in der Region um Aden, die sich nun vom Rest des Landes abzuschotten versucht, höre man noch auf den de facto unter Hausarrest stehenden Präsidenten.

Huthis nun am längeren Hebel

Für die Huthis, die im September nach Sanaa vorgedrungen waren, sind «nun alle Optionen offen». Präsident Hadi, verkündete Huthi-Führer Abdel-Malek al-Huthi in der Nacht auf gestern in einer TV-Ansprache, könne im Amt bleiben, wenn er das am 21. September – unter militärischem Druck – geschlossene «Abkommen für Frieden und Nationale Partnerschaft» umsetze. Es würde den schiitischen Huthis eine Teilhabe an der Macht und eine gerechte Verteilung der knappen wirtschaftlichen Ressourcen garantieren. Doch zum Teilen mit den schiitischen Rebellen, die ein Drittel der Bevölkerung des Landes ausmachen, war die sunnitische Machtelite bislang nicht bereit.

Die Huthis wählten daher die militärische Option, um ihre Ziele durchzusetzen. Dass sie dabei von Iran unterstützt werden, empfindet nicht nur Saudi-Arabien als eine ernsthafte Bedrohung. Auch die USA fürchten, mit dem von den Huthis eingesperrten Präsidenten Mansur Hadi einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen «Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel» zu verlieren, also gegen jene Terrororganisation, die die Urheberschaft des Anschlags auf «Charlie Hebdo» beanspruchte.

Nutzniesser ist Iran

In den Augen der Huthis sind Hadi und seine Gefolgsleute nicht nur für «Korruption und Tyrannei» verantwortlich. Die inzwischen gestürzte Regierung habe auch heimlich Al Qaida gefördert. Hadi habe Terroristen unterstützt, um von den USA Hilfe im Kampf gegen den Terror zu bekommen, sagt auch die an der Universität Zürich lehrende jemenitische Politologin Ilham Manea. Ihre Heimat nannte sie einen «durchtriebenen Staat», in dem die Elite versucht habe, die Verwundbarkeit zu ihren Gunsten auszubeuten.

Ob sich dies unter einer von den Huthis geführten Regierung ändern würde, ist ungewiss. Denn zur Lösung der vielfältigen Probleme wird das militärische Vorgehen der Huthis, die gestern auch die Mittelstreckenraketen des Landes unter ihre Kontrolle brachten, sobald nicht beitragen. Erster Nutzniesser der neuen Machtverhältnisse in Jemen scheint Iran zu sein. Mit den schiitischen Huthis hat Teheran in Süd-Arabien neue strategische Verbündete gefunden.