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Prozess: Trump-Freund soll Dutzende Mädchen missbraucht haben

Vor zehn Jahren kam Jeffrey Epstein den Richtern noch knapp davon. Jetzt droht dem schwerreichen Ex-Financier lebenslängliche Haft.
Renzo Ruf aus Washington
Jeffrey Epstein vor Gericht in Florida im Jahr 2008. Damals kam er knapp davon. (Bild: Uma Sanghvi/Keystone)

Jeffrey Epstein vor Gericht in Florida im Jahr 2008. Damals kam er knapp davon. (Bild: Uma Sanghvi/Keystone)

Vor zwölf Jahren kam er in Florida mit einem blauen Auge davon. Doch nun droht dem Vermögensverwalter Jeffrey Epstein vor einem Bundesgericht in New York neues Ungemach. Am Montag veröffentlichte die Staatsanwaltschaft in Manhattan eine 13 Seiten zählende Anklageschrift, in der Epstein des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen beschuldigt wird. Sollte der 66-jährige Epstein für dieses Delikt verurteilt werden, könnte er den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen.

Im Zentrum der Vorwürfe stehen Delikte, die der gut vernetzte Multi-Millionär in den Jahren 2002 bis 2005 an seinen Wohnorten in New York City und Palm Beach (Florida) begangen haben soll. Unter dem Vorwand, er benötige eine Massage, habe Epstein mindestens drei minderjährige Mädchen, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammten, in seine Residenz gelockt; dort habe er die Kinder, die zum Teil erst 14 Jahre alt waren, dann dazu gezwungen, ihn sexuell zu befriedigen.

Für diese Dienste habe Epstein die Mädchen hernach finanziell entschädigt – und sie dazu genötigt, weitere Opfer zu rekrutieren. Die Ermittlungsbehörden sollen sich im Besitz von inkriminierendem Bildmaterial befinden, gab der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman am Montag an einer Pressekonferenz bekannt.

Journalistin brachte Epstein vor Gericht

Epstein, der sich seit Samstag in Gewahrsam der Bundespolizei FBI befindet, bestreitet diese Vorwürfe. Vor einem New Yorker Bundesrichter bezeichnete er sich am Montag als «nicht schuldig» im Sinne der Anklage. Dass er nun um seine Freiheit kämpft, ist auch der Journalistin Julie Brown zu verdanken, wie Staatsanwalt Berman betonte.

In aufsehenerregenden Artikeln beschrieb die Redakteurin der Tageszeitung «Miami Herald» im vorigen Herbst, wie pfleglich die Ermittlungsbehörden in Florida vor einer Dekade mit Epstein umgesprungen waren – obwohl die Polizei doch Kenntnis von Dutzenden von Opfern hatte. Epstein willigte 2007 in einen Vergleich ein; im Gegenzug wurde er von einem Lokalgericht in Palm Beach wegen Prostitution mit Minderjährigen zu 13 Monaten Halbgefangenschaft verurteilt.

Trumps Arbeitsminister spielte umstrittene Rolle

Verantwortlich für diesen Vergleich war Alexander Acosta, der heute als Arbeitsminister in der Regierung von Präsident Donald Trump arbeitet und vor einer Dekade als Staatsanwalt in Miami tätig gewesen war. Acosta rechtfertigte den «Sweetheart Deal» mit dem Risiko, dass Epstein im Zuge eines Prozesses hätte freigesprochen werden können – auch weil er eine Reihe prominenter Verteidiger wie Alan Dershowitz und Kenneth Starr angeheuert hatte. Immerhin, sagte Acosta zu seiner Verteidigung, müsse sich der Financier nun als Triebtäter registrieren. (In der entsprechenden Datenbank des Staates Florida ist Epstein übrigens immer noch verzeichnet.)

Die Recherchen von Julie Brown brachten aber an den Tag, wie stark sich Staatsanwalt Acosta für den mutmasslichen Kriminellen Epstein ins Zeug legte; so verhinderte er weitere Ermittlungen des FBI. Auch stellte Acosta sicher, dass die Dutzenden von Opfer nicht vorgängig über den Vergleich informiert wurden, obwohl er damit gegen Vorschriften verstiess. (In diesem Zusammenhang ist noch eine interne Untersuchung des nationalen Justizministeriums anhängig, die herausfinden soll, wie sich dieser Fehler ereignen konnte.)

Trump lobte Epstein als "tollen Kerl"

Der New Yorker Staatsanwalt Berman – der übrigens seinen Job ebenfalls Donald Trump verdankt – sagte am Montag, seine Behörde sei nicht an den Vergleich gebunden, den Acosta abgeschlossen habe. Auch sagte Berman: Die Opfer von Epstein hätten es verdient, dass sich ein Gericht ihre Vorwürfe anhörten.

Alex Acosta ist übrigens nicht der einzige prominente Name im Umfeld von Jeffrey Epstein. Der schwerreiche Vermögensverwalter umgab sich jahrelang mit einflussreichen Personen. Zu seinen Bekannten gehörten zum Beispiel der ehemalige Präsident Bill Clinton; der Demokrat spannte wiederholte Male auf der Privatinsel Epsteins in der Karibik aus. Auch der Republikaner Donald Trump war mit Epstein befreundet. Überliefert ist ein Zitat des heutigen Präsidenten, wonach Epstein ein toller Kerl sein, der sich gerne mit wunderschönen Frauen umgebe, auch wenn diese «eher jung» seien.

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