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Jeder führt seinen eigenen Krieg

Irakische und kurdische Truppen ziehen den Ring um das vom IS besetzte Mossul enger. In Syrien steht der Kampf um die IS-Hochburg Rakka bevor, während der Krieg um Syriens Zukunft weiter eskaliert.
Walter Brehm

Unterstützt von der US-Luftwaffe, geht die Offensive der irakischen Armee und kurdischer Peschmerga-Kämpfer gegen den «Islamischen Staat» in der nordirakischen Stadt Mossul ihren Gang – blutig und mit allen befürchteten Nebenerscheinungen: Der IS verübt Massaker an der Zivilbevölkerung in der Stadt und missbraucht die Menschen als Schutzschilde. Die ersten grösseren Fluchtbewegungen der Bevölkerung haben begonnen. Und auch von Übergriffen schiitischer Truppen an Sunniten rund um Mossul wir bereits berichtet. Der Widerstand der IS-Terroristen wird stärker.

Laut der US-Regierung, welche die internationale Koalition gegen den IS anführt, soll nun noch vor dem Ender der Schlacht um Mossul die Offensive gegen die syrische IS-Hochburg Rakka beginnen. Die Eile ist Kriegslogik. Da noch immer nicht klar ist, ob IS-Kämpfer ihre Positionen in Mossul bis zum bitteren Ende verteidigen, soll ihnen mit dem Kampf um Rakka der Fluchtweg über die irakisch-syrische Grenze rechtzeitig abgeschnitten werden. Irakische Panzerverbände und Truppen der Eliteeinheit CTS (Counter Terrorism Services) sind entlang der Grenze in Stellung gebracht worden.

Ankara will, dass die USA die Kurden fallenlassen

Doch die Kriegslogik ist nur eine Seite der Medaille. Türkische Ansprüche, im Krieg gegen den IS eine mitentscheidende Rolle zu spielen, macht die militärische Eskalation auch politisch immer brisanter. In Nordirak unterstützt nach eigenen Angaben die türkische Artillerie und Luftwaffe gegen den Willen der Regierung in Bagdad den Vormarsch der mit Ankara verbündeten irakischen Kurden.

Diese Woche hat Präsident Erdogan verkündet, türkische Truppen würden in Syrien bis nach Raqqa vorstossen. In einem Telefonat soll Erdogan US-Präsident Barack Obama ein gemeinsames Vorgehen vorgeschlagen haben – allerdings habe er Obama klar gemacht, dass es keine Notwendigkeit gebe, die syrische Kurdenmiliz YPG in den Kampf um Raqqa einzubeziehen. Die türkische Armee geht in Syrien zwar auch gegen den IS vor, vor allem aber gegen die YPG, die sie als blossen syrischen Ableger der türkischen Kurdenguerilla PKK betrachtet.

Für die USA allerdings sind die Kämpfer der syrische Kurden die einzige verlässliche militärische Kraft gegen den IS am Boden. Der türkische Verteidigungsminister wurde dazu deutlicher als Präsident Erdogan. Firik Isik hat diese Woche während eines Besuchs in Brüssel erklärt: «Wir wollen, dass die USA in diesem Punkt ihre Haltung ändern, sonst wird die Türkei nicht zögern, das Notwendige zu unternehmen.» Das kann man als Hinweis lesen, dass Ankara die «Freie Syrische Armee» und anderen regionale Anti-Assad-Rebellen als ausreichende Alternative zur Kampfkraft der YPG sieht – oder aber als kaum versteckte Drohung gegenüber seinem Nato-Partner USA.

Die von der internationalen Koalition gegen den IS geplante Offensive gegen Rakka droht also noch gravierender Komplikationen mit sich zu bringen als jene in Mossul. Denn neben den an beiden Fronten offen erklärten türkischen Bedingungen, ist die Lage in Syrien ganz anders als in Irak. Neben dem Krieg gegen die IS-Jihadisten wird von säkularen Milizen bis hin zu radikalen Islamisten der Aufstand gegen das Regime des Bashar al-Assad in Damaskus weitergeführt. Dies verhindert nicht nur, dass sich die Koalition gegen den IS anders als in Irak auf eine Regierungsarmee stützen kann. Der Krieg um die politische Zukunft Syriens ist längst auch zu einem internationalen Konflikt geworden. Am Boden kämpfen iranische Truppen und schiitische Hisbollah-Kämpfer aus Libanon an der Seite des Assad-Regimes. Diesen Alliierten bombt zudem die russische Luftwaffe den Vormarsch gegen die Rebellen frei, die zumindest in ihren islamistischen Fraktionen ihrerseits von den arabischen Golfmonarchien aufgerüstet und finanziert werden.

Putin redet von den Grenzen seiner Geduld

In Syrien droht also nicht nur ein blutiger militärischer «Endkampf» um die letzte IS-Hochburg. Es wächst auch die Gefahr, das die unterschiedlichen internationalen Interessen – der USA und Saudi-Arabiens auf der einen und Russlands und Irans auf der anderen Seite – gewollt oder auch nur als Versehen militärisch aneinandergeraten. Die faktische Funkstille zu Syrien zwischen Moskau und Washington wird gefährlich.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat diese Woche erklärt: «Eine gemeinsame Front mit den USA gegen den Terrorismus ist nicht zustande gekommen. Bisher haben wir in Syrien Zurückhaltung geübt. Aber alles hat seine Grenzen.»

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