Jeb Bushs Stern sinkt bereits

In der dritten Fernsehdebatte der republikanischen Bewerber um die US-Präsidentschaft hat der Favorit des Establishments erneut eine blasse Figur abgegeben. Dafür überzeugte sein Ex-Schützling Marco Rubio.

Jens Schmitz
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Am Ende überzeugte Marco Rubio (rechts) mehr als sein einstiger Mentor Jeb Bush. (Bild: ap/Mark J. Terrill)

Am Ende überzeugte Marco Rubio (rechts) mehr als sein einstiger Mentor Jeb Bush. (Bild: ap/Mark J. Terrill)

WASHINGTON. Er hat es wieder nicht geschafft, seine Botschaft wieder nicht untergebracht. Nach der dritten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsanwärter feiern Jeb Bushs Rivalen längst, nur der vermeintliche Favorit zieht sich zum Interview in einen dämmrigen Gang hinter der Bühne zurück – er will irgendwie noch zu Wort kommen. Zu wenige Fragen, zu schlechte Fragen, zu wenig Zeit, klagt er ins Mikrophon, aber nein: «Ich bin nicht frustriert. Ich bin zufrieden mit unserer Position.» Es folgt das unsichere Lächeln, das Bush seit Monaten begleitet – Ausweis der Ratlosigkeit eines Mannes, der von der Favoritenrolle in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen droht.

Spender fangen an zu zweifeln

Weder Bush noch seine Geldgeber können mit dem Wahlkampf zufrieden sein: Sieben Prozent Zustimmung hat der Establishment-Champion, weit weniger als die Spitzenreiter Donald Trump und Ben Carson. Bush liegt hinter seinem früheren Schützling Marco Rubio und ziemlich dicht am Rest der insgesamt zehn Rivalen, die sich auf der Hauptbühne an der University of Colorado in Boulder drängeln.

Unterwegs im Land kommt Floridas Ex-Gouverneur an, niemand ist besser organisiert oder verfügt über vergleichbare Mittel. Aber die Grossspender werden unruhig: Setzen sie auf das richtige Pferd? Rubio, der 44jährige Senator aus Bushs Heimatstaat, hat eine ähnliche Agenda, tritt aber überzeugender auf. Wer Erfahrung sucht, kann auch John Kasich wählen – der Gouverneur von Ohio hat eine gute Bilanz.

Vor der Debatte hat es im Bush-Clan ein Krisentreffen gegeben, auch Vater und Bruder waren dabei, die Altpräsidenten 41 und 43. Durchhalten, sickerte als Parole nach draussen, aber auch: Angreifen!

Misslungener Angriff

Kasich zeigt Bush gleich zu Beginn, wie man das macht: «Wir können nicht jemanden wählen, der keine Ahnung hat, wie man regiert», schimpft er über die Umfragekönige Trump und Carson. Die Steuer- oder Immigrationspläne der beiden? «Das Zeug ist reine Phantasie!» Die Moderatoren von CNBC widmen den Abend vor allem der Wirtschaft, vielleicht bleiben Trump und Carson deshalb blass.

Bushs eigene Attacke geht gründlich daneben: «Hat der Senat so was wie eine französische Arbeitswoche?», schulmeistert er, als Rubio nach seiner Präsenz im Kongress gefragt wird. «Drei Tage, an denen man sich blicken lassen muss?» Medien werfen Rubio vor, wegen des Wahlkampfs seine Verpflichtungen im Senat zu vernachlässigen. Aber Bush wirkt bemüht, blickt dem neben ihm stehenden Ex-Schützling nicht in die Augen. Rubio erinnert daran, wie oft der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain im Senat gefehlt habe, auf den Bush sich gerne beruft. «Ich kann mich nicht erinnern, dass du dich über sein Abstimmungsverhalten jemals beschwert hast», sagt Rubio. «Der einzige Grund, warum du es jetzt tust, ist, dass wir uns um dieselbe Position bewerben und jemand dich überzeugt hat, dass es dir helfen wird, wenn du mich angreifst.» Von Bush ist danach lange nichts mehr zu hören.

«Bush ist eine Pleite»

Der 62-Jährige kandidiert als Stimme der Vernunft, da wirkt es nicht überzeugend, als erste die kompetentesten Mitbewerber zu attackieren. Es hätte bessere Ziele gegeben: Ben Carson, der die Staatsausgaben um 40 Prozent schrumpfen will, aber seine Pläne nicht erklären kann. Carly Fiorina, die ihre Bilanz als Geschäftsführerin von Hewlett-Packard mit einem flauen Scherz übertüncht und verspricht, den Steuerschlüssel von 73 000 Seiten auf drei einzudampfen. Auch New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der libertäre Rand Paul bieten Angriffspunkte. Aber Bush ist nicht gut in Konfrontation. In einer früheren Debatte ging er gegen Trump so unter wie nun gegen Rubio.

«Bush ist eine Pleite», schrieb das Magazin «Politico» gestern, und die «New York Times» pflichtet bei: «Jeb Bush wird nicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner.»

Aber wer dann? John Kasich kommt bislang in seiner Partei nicht an. Auf der Hauptbühne empfahl sich am Mittwoch nur Rubio. Die vier Kandidaten mit den schlechtesten Umfragewerten mussten sich erneut mit einer eigenen Debatte bescheiden. Weder Senator Lindsey Graham noch Louisianas Gouverneur Bobby Jindal, der frühere Senator Rick Santorum oder New Yorks ehemaliger Gouverneur George Pataki dürften dabei ausreichend Sympathiezuwachs erzielt haben, um ins Hauptfeld vorzustossen.