Japan startet in ein neues Atomzeitalter

TOKIO. Die Demonstranten in der sengenden Hitze waren quälend machtlos. Gegen den Widerstand vieler lokaler Einwohner startete Japan gestern in ein neues Atomzeitalter. .

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TOKIO. Die Demonstranten in der sengenden Hitze waren quälend machtlos. Gegen den Widerstand vieler lokaler Einwohner startete Japan gestern in ein neues Atomzeitalter. .

Zurück zu Atomstrom

Um 10.30 Uhr wurden am Reaktorblock 1 des hoch gesicherten AKW Sendai im Südwesten des Landes die technischen Sperren beseitigt. Der Meiler wird wieder hochgefahren, am Freitag soll der erste Strom produziert werden, Anfang September der volle kommerzielle Betrieb anlaufen.

Noch bis gestern hatten Atomgegner versucht, diesen Prozess mit Klagen zu stoppen. Ein Gericht hielt jedoch die neuen Sicherheitsstandards für ausreichend. Auch die lokalen Behörden stimmten für die Rückkehr zur nuklearen Energie, weil sie sich für die Region Arbeitsplätze und Steuern versprechen. Trotz der landesweiten Proteste hat der Betreiberkonzern KEP die volle Rückendeckung der Regierung von Premier Shinzo Abe.

Wirtschaft hat Vorrang

Mit diesem 11. August 2015 endet eine zweijährige atomfreie Zeit in Japan. Nach der Mega-katastrophe im März 2011 mit dem schweren Nuklearunglück in Fukushima waren schrittweise alle Atomkraftwerke in Japan abgeschaltet und weitgehenden, aber umstrittenen Sicherheitsüberprüfungen unterzogen worden. Das war ein radikaler Einschnitt, denn die 56 vor dem GAU aktiven Atommeiler erzeugten fast ein Drittel des Energiebedarfs der rohstoffarmen Industrie- und Exportnation.

Die Energielücke muss derzeit mit enormen Importen von Öl, Gas und Kohle geschlossen werden. Die Energiepreise für die Wirtschaft wie auch für private Haushalte sind in den zurückliegenden vier Jahren um knapp ein Fünftel gestiegen. Immer mehr Unternehmen erwägen deshalb die Abwanderung ins Ausland. Diese wirtschaftliche Realität wird auch von vielen atomkritischen Bürgern respektiert. (A.K.)