Jahresrückblick international: Wenn zwei Grossmächte um Milliarden streiten

USA und China auf Konfrontationskurs: Der Handelskonflikt der Grossmächte prägte 2019.

Fabian Hock
Drucken
Teilen
Arbeiterinnen in einem chinesischen Handy-Werk: Trump will solche Jobs in die USA verlagern.

Arbeiterinnen in einem chinesischen Handy-Werk: Trump will solche Jobs in die USA verlagern.

Bild: Epa

Kaum etwas hat die Weltwirtschaft in diesem Jahr so sehr in Atem gehalten wie der Handelsstreit zwischen China und den USA. Was 2018 mit Strafzöllen auf chinesische Flugzeugteile, Autos und Elektronik begann, hat sich 2019 zu einem Handelskonflikt globalen Ausmasses aufgeschaukelt. Zwar sind sich Washington und Peking in der Sache zuletzt wieder etwas näher gekommen. Beide Seiten haben eine Art Waffenstillstand vereinbart und damit vorerst für Entspannung gesorgt. Aber eine echte Lösung ist nicht in Sicht.

Die USA erheben derzeit Strafzölle von bis zu 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von fast 400 Milliarden Dollar. Dahinter steht ein Gedanke: «America First». Seinen Wählern versprach US-Präsident ­Donald Trump, Jobs zurück ins Land zu holen und Waren wieder vermehrt in den USA statt in China fertigen zu lassen. Die Amerikaner importieren viel mehr Güter aus dem Riesenreich, als sie dorthin verschiffen. Diesem Gefälle hat der Präsident den Kampf angesagt. Übrigens nicht nur jenem mit China: Auch die Schweiz geriet 2019 vorübergehend in die Kritik.

Überdies beklagt der Mann im Weissen Haus, dass China seine Währung künstlich tief halte, um den eigenen Exportunternehmen bessere Chancen auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Die Amerikaner stören sich ausserdem an den massiven Subventionen für chinesische Firmen sowie an dem Umstand, dass diese noch immer im grossen Stil kopieren. Solange diese Punkte nicht ausgeräumt sind, dürfte der Konflikt weitergehen.

War vor Trumps Amtsantritt Russland der Hauptgegner der USA, hat der Republikaner den Fokus verschoben und China ins Fadenkreuz genommen. Strafzölle sind das Mittel, mit dem er den Chinesen beikommen will. Und das mit Erfolg, denn die Zölle zeigen Wirkung: Für das kommende Jahr rechnet die Regierung in Peking nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von sechs Prozent – dem niedrigsten Wert seit 30 Jahren.

In der Schweiz halten sich die direkten Folgen zwar noch in Grenzen. Indirekt prägt der Konflikt die hiesige Wirtschaft jedoch mehr, als man glauben mag. Denn der Handelsstreit produziert weltweit Unsicherheit, was Investoren in den Franken flüchten lässt und Unternehmen am Investieren hindert. Darunter leidet vor allem die Schweizer Exportwirtschaft.