Italiens Premier Renzi droht der «Cameron-Effekt»

«Wir müssen die EU ändern, sie menschlicher und gerechter gestalten. Aber Europa ist unser Zuhause und unsere Zukunft», twitterte Italiens Premier Matteo Renzi. Am Mittwoch hatte er in einem bezahlten Inserat in der Zeitung «The Guardian» an die Briten appelliert, gegen den Austritt zu stimmen.

Dominik Straub/Rom
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«Wir müssen die EU ändern, sie menschlicher und gerechter gestalten. Aber Europa ist unser Zuhause und unsere Zukunft», twitterte Italiens Premier Matteo Renzi. Am Mittwoch hatte er in einem bezahlten Inserat in der Zeitung «The Guardian» an die Briten appelliert, gegen den Austritt zu stimmen. Wer wolle denn «ein kleines und isoliertes Grossbritannien?» Renzi jedenfalls wollte das nicht – und auch keinen Rücktritt seines britischen Amtskollegen Cameron.

Renzi unter Erfolgsdruck

Im Herbst werden die Italiener über eine von der Regierung vorgeschlagene Verfassungsreform abstimmen. «Cameron ist nach seiner Niederlage zurückgetreten, und Renzi müsste dies ebenfalls tun, würde er die Abstimmung über die Reform verlieren», erklärte der Verfassungsrechtler Stefano Ceccanti. Das sei «unausweichlich» in einer Demokratie.

Laute Lega, leiser Grillo

Der rechte Lega-Nord-Chef Matteo Salvini jubelt über den Brexit: «Es lebe der Mut der freien Bürger – Herz, Kopf und Mut schlagen Lügen und Erpressungen. Danke UK, jetzt sind wir dran», twitterte Salvini und forderte auch in Italien eine Abstimmung über die EU-Zugehörigkeit.

Überraschend differenziert hat sich der Komiker Beppe Grillo geäussert, dessen Bewegung seit Monaten Unterschriften für einen Austritt aus der Euro-Währung sammelt. «Wir haben keinerlei Absicht, Europa zu verlassen», erklärte Grillo.