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Ist Bolsonaro schuld? Die vier gängigsten Aussagen über die Amazonas-Brände im Fakten-Check

Die Brände im Amazonas sind seit letzter Woche in aller Munde. Tausende Beiträge wurden in (sozialen) Medien geteilt. Doch teilweise wird mit falschen Fakten argumentiert.
Julian Wermuth, watson.ch
In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. (Bild: Joedson Alves)Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. (Bild: Joedson Alves)
Eine Schlange flüchtet vor dem Feuer. (Bild: Joedson Alves)Eine Schlange flüchtet vor dem Feuer. (Bild: Joedson Alves)
Andere Artgenossen waren nicht schnell genug. (Bild: Joedson Alves)Andere Artgenossen waren nicht schnell genug. (Bild: Joedson Alves)
Insgesamt wurden mehr als 79'000 Brände registriert. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)Insgesamt wurden mehr als 79'000 Brände registriert. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Proteste gegen die Brände und Präsident Bolsonaro: Die brasilianische Schauspielerin Sonia Braga hat sich ihre Hände blutrot angemalt. (Bild: Bruna Prado)Proteste gegen die Brände und Präsident Bolsonaro: Die brasilianische Schauspielerin Sonia Braga hat sich ihre Hände blutrot angemalt. (Bild: Bruna Prado)
Ein totes Rind inmitten der toten Erde. (Bild: Joedson Alves)Ein totes Rind inmitten der toten Erde. (Bild: Joedson Alves)
Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Nun helfen auch Soldaten bei den Löscharbeiten: insgesamt mehr als 43'000 stehen im Einsatz. (Bild: ANTONIO CRUZ / HANDOUT)Nun helfen auch Soldaten bei den Löscharbeiten: insgesamt mehr als 43'000 stehen im Einsatz. (Bild: ANTONIO CRUZ / HANDOUT)
Von der blühenden Vegetation ist vielerorts nicht mehr viel übrig. (Bild: Leo Correa)Von der blühenden Vegetation ist vielerorts nicht mehr viel übrig. (Bild: Leo Correa)
Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. (Bild: Firefighters Acre HANDOUT)Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. (Bild: Firefighters Acre HANDOUT)
Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über. (Bild: Eraldo Peres)Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über. (Bild: Eraldo Peres)
SOS Amazonia: Eine Brasilianerin macht sich bei Protesten für den Amazonas stark. (Bild: Bruna Prado)SOS Amazonia: Eine Brasilianerin macht sich bei Protesten für den Amazonas stark. (Bild: Bruna Prado)
Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen. (Bild: Rio Branco Firemen HANDOUT)Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen. (Bild: Rio Branco Firemen HANDOUT)
Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. (Bild: Porto Velho Firefighters HANDOUT)Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. (Bild: Porto Velho Firefighters HANDOUT)
Feuerwehrleute im Kampf gegen das Feuer. (Bild: Keystone)Feuerwehrleute im Kampf gegen das Feuer. (Bild: Keystone)
Über 72'000 Waldbrände gab es dieses Jahr bereits. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Über 72'000 Waldbrände gab es dieses Jahr bereits. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Immer wieder verursachen Rodungen Waldbrände. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Immer wieder verursachen Rodungen Waldbrände. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Das Wasser kann nur wenig gegen die Brände ausrichten. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Das Wasser kann nur wenig gegen die Brände ausrichten. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Mit jeder Minute verbrennt Wald in der grösse eines Fussballfeldes. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Mit jeder Minute verbrennt Wald in der grösse eines Fussballfeldes. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Der Amazonas brennt. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Der Amazonas brennt. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Vom Urwald ist hier nichts mehr übrig. (Bild: Keystone)Vom Urwald ist hier nichts mehr übrig. (Bild: Keystone)
Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Keystone)Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Keystone)
Auch vom Satelit aus ist der Rauch gut zu sehen. (Bild: keystone-sda.ch)Auch vom Satelit aus ist der Rauch gut zu sehen. (Bild: keystone-sda.ch)
Auch das ist ein Satelitenbild, dass das Feuer zeigt. (Bild: keystone-sda.ch)Auch das ist ein Satelitenbild, dass das Feuer zeigt. (Bild: keystone-sda.ch)
Rauch am Himmel von Rio Branco. (Bild: JUAN DÕAZ)Rauch am Himmel von Rio Branco. (Bild: JUAN DÕAZ)
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Verheerende Brände im Amazonas, Brasilien

1. Die Lunge der Welt

«Der Amazonas ist die Lunge der Welt.»

New York Times

«Das ist Bullshit», sagt Dan Nepstad zu dieser Aussage. Er ist einer der führenden Amazonas-Forscher der Welt. Gegenüber «Forbes» führt er aus:

«Das ist wissenschaftlich nicht fundiert. Der Amazonas produziert viel Sauerstoff, aber braucht den gleichen Betrag für die Zellatmung wieder auf. Es ist ausgeglichen.»

Zustimmung kommt von Harald Bugmann, Professor für Waldökologie an der ETH Zürich. Gegenüber dem SRF sagt er, dass der Sauerstoff, der im Amazonas entsteht, von diesem auch wieder verbraucht werde. Von der Lunge der Welt zu sprechen sei nicht korrekt.

Fazit: Stimmt nicht.

2. Rekordbrände

«Die Feuer haben ein Rekordausmass im Amazonas-Gebiet erreicht.»

CNN

Die Anzahl der Feuer ist zwar um 80 Prozent höher als im Vorjahr. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre ist es aber nur ein Anstieg um sieben Prozent.

Waldbrände in Brasilien zwischen 1999 und 2019. Datenquelle: INPE. (Bild: Mongabay.com

Waldbrände in Brasilien zwischen 1999 und 2019. Datenquelle: INPE. (Bild: Mongabay.com

Einer der führenden brasilianischen Umweltjournalisten, Leonardo Coutinho, sagte zu «Forbes», dass während der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Lula (Arbeiterpartei) und Umweltministerin Marina Silva (2003 – 2009) im Amazonas die höchste Zahl an Feuern registriert wurde.

Coutinho berichtet seit zehn Jahren direkt aus dem Amazonas. Er sagt: «Was derzeit im Amazonas passiert, ist nicht aussergewöhnlich. Such mal auf Google nach Amazonas-Artikeln aus der Zeit, als Lula Präsident war [...]. Die jetzige Lage rechtfertigt keine globale Hysterie.»

Was jedoch eingerechnet werden muss: Die Dürreperiode steht in Brasilien noch an. Das heisst, dass die Anzahl der Brände im Verlauf des Jahres noch signifikant ansteigen könnte.

Fazit: Stimmt (noch) nicht.

3. Der Amazonas brennt nieder

«Was mich am meisten trifft, ist die Vorstellung, dass Millionen von Notre-Dames, Kathedralen der Biodiversität, bis auf die Grundmauern niederbrennen.»

New York Times

Brennen die «Kathedralen» des Amazonas nieder? Nein, meint Nepstad: «Ich hab die Fotos gesehen, die Macron und DiCaprio geretweeted haben. So wie auf den Bildern brennen die Wälder im Amazonas nicht.»

Das Problem sei, dass man nicht genau wisse, wie stark der Amazonas wirklich brennt. Wenn ein Satellit ein Feuer entdeckt, sagt er uns nicht, ob ein Feld oder vertrocknetes Gestrüpp brenne, führt Napstad aus. Und: Das Auge aus dem Weltall übersieht meistens die Waldbrände, die unter dem Dach der Baumkronen wüten. Diese «Low Fire» erreichen nur eine Höhe von 50 bis 100 cm, richten aber den grössten Schaden an – insbesondere in Dürrejahren.

Da viele Gebiete vom Rauch verdeckt sind, kann man jetzt aber noch nicht abschätzen, wie stark die Feuer tatsächlich gewütet haben.

Fazit: Man weiss es nicht.

4. Bolsonaro ist an allem schuld

Vor allem in sozialen Medien, aber auch in der internationalen Presse wurde schnell ein Sündenbock für die Brände gefunden: Jair Bolsonaro.

Jair Bolsonaro. (Bild: AP)

Jair Bolsonaro. (Bild: AP)

Welchen Einfluss hat Bolsonaro auf die aktuelle Lage? Hier gehen die Meinungen verständlicherweise auseinander. Eines ist klar: Er betrachtet den Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial und kündigte an, keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet auszuweisen und weitere Rodungen zuzulassen.

Dazu kommen Berichte, dass unter der Regierung Bolsonaro die Strafverfolgung von illegalen Rodungen leidet. Jüngste Zahlen zeigen ausserdem, dass es im Jahr 2019 einen markanten Anstieg an Brandrodungen gegeben hat, wohl ermutigt durch die Brandreden Bolsonaros.

Aber die gesamte Schuld Bolsonaro zuzuschieben wäre zu einfach. Denn illegale Rodungen gibt es nicht erst seit diesem Jahr.

Nepstads Kommentar: «Ich mag das internationale Narrativ nicht; es polarisiert und spaltet die Gesellschaft. Bolsonaro sagte lächerliche Dinge und keine davon sind entschuldbar, aber es gibt auch einen grossen Konsens gegen unbeabsichtigte Feuer. Wir müssen da ansetzen.»

Fazit: Bolsonaro trägt Mitschuld, kann aber nicht alleine verantwortlich gemacht werden.

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