Israelischer Alleingang gegen Iran?

Angeblicher Kriegsplan Jerusalems gegen Irans Atomprogramm publiziert. Das brisante Papier soll einem US-Blogger von einem ehemaligen israelischen Minister zugespielt worden sein.

Walter Brehm
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«Als Iraner würde ich mich in den kommenden Wochen fürchten», zitiert die «New York Times» ein «privates» Statement Efraim Halevys, eines früheren Chefs des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Konkreter wird das israelische Onlineportal «Ynet». Demzufolge sieht Halevy für einen möglichen israelischen Militärschlag gegen das Atomprogramm des Teheraner Regimes «ein Zeitfenster von zwölf Wochen». Das ist kaum einfach dahergesagt, sondern vielmehr eine Replik auf die Einschätzung der US-Regierung, wonach das iranische Atomprogramm frühestens in 18 Monaten ein «kritisches Stadium» erreiche.

US-Regierung wiegelt ab

Laut «New York Times» ist Washington deshalb zuversichtlich, dass Israel keine unmittelbaren Angriffspläne gegen Iran habe. Jerusalem sei bereit, im Falle eines militärischen Vorgehens gegen Iran die Führung den USA zu überlassen. Und im Weissen Haus will man diese Eventualität nicht vor den Präsidentschaftswahlen zum Thema machen. Über einen Militärschlag werde nicht vor dem kommenden Jahr entschieden.

Technik, Bomben und Mord?

Eine andere zumeist gut informierte Quelle allerdings widerspricht der offiziellen Zuversicht Washingtons. Die israelische Zeitung «Jediot Ahronot» berichtet über einen angeblich vorliegenden, sehr konkreten Angriffsplan der Israeli. Ein früherer israelischer Minister habe diesen dem amerikanischen Blogger Richard Silverstein zugespielt, der oft und meist genau über sicherheitspolitische Interna aus Jerusalem berichtet.

Demnach soll der iranischen Führung mit bisher noch nie gesehenen Cyber-Attacken auf ihre Kommunikationstechnik zuerst die Fähigkeit genommen werden, zu wissen, was im eigenen Land vor sich geht. Dann sei die Zerstörung von Atom- und anderen wichtigen Anlagen durch Raketen und Angriffe der Luftwaffe vorgesehen. Zudem sei geplant, gleichzeitig hohe iranische Militärs und Geheimdienstfunktionäre gezielt zu töten. Laut Silverstein enthält das ihm zugespielte Papier keine Angaben über mögliche iranische Gegenschläge und deren Folgen für Israel.

30 Tage an mehreren Fronten

In der israelischen Zeitung «Maariv» ist dazu die Meinung von Zivilschutzminister Matan Vilnai nachzulesen. Er rechne mit einem «Krieg an mehreren Fronten, der etwa 30 Tage dauern wird». Anlass zur Hysterie gebe es aber nicht. Der israelische Zivilschutz sei gut vorbereitet.

Wie bereits früher Premier Netanyahu rechnet der Minister mit etwa 500 israelischen Todesopfern durch Raketen aus Iran oder Beschuss aus Südlibanon durch die schiitische Hisbollah-Miliz und aus dem Gaza-Streifen durch die Hamas und die Splittergruppe Islamischer Jihad. Diese zynisch-optimistische Einschätzung möglicher Kriegsfolgen ist jedoch auch in Israel umstritten.

Argumente gegen den Krieg

Fachleute debattieren, ob die Bevölkerung politisch und psychologisch zu einem Krieg bereit sei. Der Militärhistoriker Martin van Creveld bezweifelt, dass «die Israeli in der gegenwärtigen sozialen Krise im Land bereit sind, den Preis für einen Krieg zu bezahlen, dessen Notwendigkeit nicht bewiesen ist». Immer wieder verweist vor allem US-Präsident Obama darauf, dass Israel das iranische Atomprogramm im Alleingang nicht zerstören, sondern allenfalls verzögern könne.

Beobachter der politische Lage in Iran gehen deshalb davon aus, dass zumindest Teile des Regimes in Teheran einen Militärschlag fast herbeiwünschten, weil ein Angriff von aussen die Unterstützung des Regimes aus der Bevölkerung wieder stärken könnte, die durch die internationalen Wirtschaftssanktionen stark bröckle.

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