Israel reisst Häuser von Attentätern ab

JERUSALEM. Im Rahmen von angedrohten Strafmassnahmen ist gestern früh wieder ein Haus eines palästinensischen Terroristen in Ostjerusalem dem Erdboden gleichgemacht worden.

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JERUSALEM. Im Rahmen von angedrohten Strafmassnahmen ist gestern früh wieder ein Haus eines palästinensischen Terroristen in Ostjerusalem dem Erdboden gleichgemacht worden. Es war jenes von Abd-el Rahman Shaludi, der vor vier Wochen ein Baby und eine Frau tötete, als er mit seinem Auto in die Menschenmenge an einer Haltestelle der Strassenbahn raste. Diese Massnahme ergriff Israel, nachdem am Dienstag bei einem Attentat in einer Synagoge fünf Menschen getötet wurden. Regierungschef Benjamin Netanyahu kündigte ferner das Verbot von Organisationen an, die zu Gewalt aufhetzen, sowie schärfere öffentliche Kontrollen.

Rückkehr zu alter Methode

Fast zehn Jahre lang hatte die israelische Regierung das Abreissen von Häusern als Abschreckungsmethode auf Eis gelegt, weil sie sich als wenig effektiv erwiesen hatte. Im Sommer wurde sie dann aber reaktiviert. Die Methode ist unverändert umstritten. Politiker und der Sicherheitsapparat ziehen derzeit nicht immer am selben Strick. So wird etwa die Idee des nationalreligiösen Wirtschaftsministers Naftali Bennett, in Jerusalem Militär zu stationieren, von der Polizei klar abgelehnt.

Warnung vor Selbstjustiz

Auf einigen Strassen Richtung Ostjerusalem errichtete die Polizei Sperren; an den meisten blieb es gestern aber bei provisorischen Kontrollen. Die beiden Bevölkerungen leben in Jerusalem so eng miteinander verwoben, dass es der Polizei trotz aufgestocktem Personal schwerfallen dürfte, künftige Anschläge zu verhindern.

Yitzhak Aharonowitsch, Minister für Öffentliche Sicherheit, appellierte an die Bevölkerung, der Polizei zu helfen. Israeli sollen leichter einen Waffenschein bekommen dürfen. Ihm widersprach aber Netanyahu und warnte in einer Fernsehansprache vor Selbstjustiz. In der Nacht auf gestern kam es bereits zu Übergriffen aufgebrachter Israeli auf Palästinenser. (S. K.)