Israel
Hardliner will Netanjahu stürzen: Schafft Naftalie Bennett, woran alle anderen scheiterten?

Der schwerreiche Nationalkonservative könnte Israels neuer Regierungschef werden. Netanjahu ist nervös.

Judith Poppe, Jerusalem
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Naftali Bennett will nicht, dass die Palästinenser einen eigenen Staat erhalten.

Naftali Bennett will nicht, dass die Palästinenser einen eigenen Staat erhalten.

AP

Bald könnte er der Regierungschef Israels sein: Naftali Bennett, ehemaliger Hi-Tech-Unternehmer, Millionär und Anführer der Siedlerpartei Yamina, die sich für die Annexion des palästinensischen Westjordanlands ausspricht. Der 49-Jährige, der in New York Jura studiert und seine Software-Firma vor Jahren für geschätzte 145 Millionen Dollar verkauft hat, hat finanziell ausgesorgt und viel Zeit, sich um seine politische Karriere zu kümmern.

Wenn die Koalition der Anti-Netanjahu-Parteien wie geplant zustande kommt, wäre Bennett voraussichtlich bis 2023 Premierminister Israels. Der Zentrumspolitiker Yair Lapid, der von Israels Staatschef mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, hat dem rechtsnationalen Bennett diesen Deal angeboten, um ihn zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Er nimmt Rache am einstigen Förderer

Wenn man die fünften Wahlen binnen zwei Jahren verhindern wolle, müsse man jetzt mit den anderen Parteien zusammenarbeiten, um Benjamin Netanjahus 12-jährige Amtszeit zu beenden, sagte Bennet im israelischen Fernsehen.

Es war eine Ankündigung mit Wumms. Denn mit ihr ist eine Einheitsregierung von weit rechts über links bis hin zur islamisch-konservativen Partei Ra’am zum Greifen nahe. Es wäre es das erste Mal, dass eine arabische Partei aktiv an einer israelischen Regierung beteiligt wäre – ausgerechnet gemeinsam mit Bennets Siedlerpartei.

Im Mai schien eine Einigung zwischen Bennett und Lapid schon in trockenen Tüchern. Doch der eskalierende Nahostkonflikt veranlasste Bennett zu einem Rückzieher. Ein Zusammenspannen mit der arabischen Ra’am-Partei wäre ein zu grosses Risiko für den modern-orthodoxen Juden gewesen.

Netanjahu macht Vergleich zu Syriens Herrscher Assad

Seine politische Karriere begann Bennett 2006 als Stabschef von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. 2012 trat er aus dem Likud aus und trat der nationalreligiösen Partei «Jüdisches Heim». Als Netanjahus Koalitionspartner hatte er verschiedene Ministerposten inne, unter anderem das Wirtschafts- und das Verteidigungsministerium.

Der vierfache Vater lebt mit seiner Familie zwar in Israels Kernland. Kaum ein Politiker hat sich in der Vergangenheit aber so sehr für die Anliegen der rund 400'000 Israelis bemüht, die in den völkerrechtswidrigen Siedlungen im Westjordanland leben. 2010 wurde Bennett gar für zwei Jahre Vorsitzender des Jescha-Rates, der Dachorganisation der jüdischen Siedlungen im Westjordanland.

Bleibt Bennett seiner Haltung treu, dürfte das neuen Zündstoff für das angespannte Verhältnis zwischen jüdischen und arabischen Bewohnern in Israels Städten bereithalten. Wie rasch die Anspannungen eskalieren können, hat sich in den vergangenen zwei Wochen mehrfach bei blutigen Strassenschlachten gezeigt.

Netanjahu seinerseits zeigte sich kämpferisch. In einem TV-Interview bezichtigte er Bennett, den «Verrat des Jahrhunderts» zu begehen und forderte ihn auf, statt mit Yair Lapid besser mit ihm eine Regierung zu gründen. Die sich neu formierende Koalition verglich Netanjahu mit dem Unrechtsregime in Syrien und den Herrschern des Iran.

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