«Islamischer Staat» meldet den Tod seines Militärchefs

LIMASSOL/MOSSUL. Kein anderes Führungsmitglied des IS war in den vergangenen Jahren so häufig totgesagt worden wie Omar al-Shishani.

Michael Wrase
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LIMASSOL/MOSSUL. Kein anderes Führungsmitglied des IS war in den vergangenen Jahren so häufig totgesagt worden wie Omar al-Shishani. Die USA hatten sogar ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar für den «Verteidigungsminister» der Terrormiliz ausgesetzt, der nach IS-Angaben nun «bei der Verteidigung von Mossul» gefallen sein soll. Den Todeszeitpunkt ihres rotbärtigen Kommandanten nannten die Jihadisten nicht. Die US-Armee hatte den Tod von «Omar, dem Tschetschenen» schon im März gemeldet.

Von US-Spezialisten ausgebildet

Geboren worden war der IS-Kommandant aber nicht in Tschetschenien, sondern im georgischen Pankisi-Tal, das an die russische Kaukasus-Republik grenzt. Sein Geburtsname war Tarkhan Batirashwili. Der Sohn eines christlichen Vaters und einer moslemischen Mutter wurde mit 20 Jahren in die georgische Armee aufgenommen, die im Jahr 2006 von US-Spezialeinheiten trainiert worden war. «Tarkhan war von Anfang an ein vollkommener Soldat», zitiert die amerikanische Online-Zeitung «McClathy» ehemalige Kameraden des jungen Georgiers. Auch amerikanische Ausbilder können sich noch gut an den Kaukasier mit der «überragenden Auffassungsgabe» erinnern. 2010 wurde er aber wegen einer Tuberkulose aus der georgischen Streitkräften entlassen.

Haft als Schule des Salafismus

Nach seiner Erkrankung änderte sich das Leben des Georgiers dramatisch: Er wurde arbeitslos und wenige Monate später wegen Waffendiebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis fand er den Zugang zum salafistischen Islam, was dazu führte, dass er nach der Entlassung angeblich mit Unterstützung des türkischen Geheimdienstes nach Syrien geschleust wurde.

In Aleppo gründete er dann als Omar al-Shishani die «Armee der Unterstützer und Emigranten», der sich vor allem Jihadisten aus dem Kaukasus anschlossen. Deren Kriegserfahrung und Rücksichtslosigkeit wurden nicht nur von den vergleichsweise unerfahrenen syrischen Aufständischen geschätzt. Auch die Geheimdienste Saudi-Arabiens und der Türkei hatten die Kontakte zum kaukasischen Widerstand über Jahrzehnte gepflegt und konnten die bald 1000 Mann starke «Armee der Emigranten» gezielt für ihre Zwecke in Syrien einsetzen.

Militärchef des «Kalifen»

Als sich 2013 der spätere «Islamische Staat» von Al Qaida abspaltete, schwor Al Shishani einen Treueeid auf den IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi. Ein Jahr später machte der Kalif den georgischen Konvertiten zum «Militärchef des Kalifates», das dann mit der Eroberung von Mossul, Ramadi, Falluja und Palmyra seine grössten militärische Erfolge feierte. Inzwischen ist das Territorium des IS stark geschrumpft. Die Führung ist ständig auf der Flucht vor den Luftwaffen aus über 20 westlichen und arabischen Staaten.

Mit Al Shishani hat der IS einen seiner fähigsten Kommandanten verloren. Der aber durch einen gleichwertig qualifizierten Mann aus seiner kaukasischen Heimat ersetzt werden könnte.