Islamische Staaten: Die Uiguren sind ihren Glaubensgenossen egal

Islamische Staaten verteidigen das brutale Vorgehen Chinas gegen die Uiguren. Das hat vor allem finanzielle Gründe.

Martin Gehlen aus Tunis
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Ein Internierungslager für Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang. (Bild: AP, 3. Dezember 2018)

Ein Internierungslager für Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang. (Bild: AP, 3. Dezember 2018)

Es ist der grösste Archipel Gulag der Welt. Vor drei Jahren begann China, Uiguren in Lagern einzusperren. Ein Schicksal, das mittlerweile mehr als eine Million Menschen teilen. Geheime Dokumente der Kommunistischen Partei Chinas, die westlichen Medien zugespielt wurden, belegen, dass die muslimische Minderheit systematisch misshandelt und einer kollektiven Gehirnwäsche unterzogen wird.

Während die Unterdrückung der Palästinenser durch Israel in der islamischen Welt regelmässig zu empörten Anklagen führt, herrscht bei dem Leid der uigurischen Glaubensgenossen kollektives Schweigen. Als einzige Nation lehnte sich Anfang des Jahres die Türkei aus dem Fenster, als Ankaras Aussenministerium das chinesische Vorgehen als «grosse Schande für die Menschheit» bezeichnete und forderte, «die Konzentrationslager zu schliessen». Schon im Juli bei seiner Chinareise jedoch blieb Staatschef Recep Tayyip Erdogan auffällig wortkarg.

Devote Worte in Richtung Peking

Anlass für die Repressionskampagne Chinas in der Provinz Xinjiang ist vor allem der islamische Glaube der turkstämmigen Bevölkerung, der die Menschen in den Augen der Machthaber von Peking allesamt zu Terrorverdächtigen macht. Nur wer glaubwürdig dem Islam abschwört, Mandarin-Chinesisch lernt und einen Treueeid auf die Volksrepublik ablegt, kann darauf hoffen, wieder aus den Umerziehungslagern herauszukommen. Umgekehrt riskiert jeder, der einen Koran zu Hause hat, als Extremist verhaftet zu werden.

Dennoch gibt sich Pakistans Regierungschef Imran Khan ahnungslos und lässt erklären, er wisse «nicht viel über die Lebensumstände der Uiguren». Auch aus der Islamischen Republik Iran ist kein Wort der Kritik zu hören. Zahlreiche arabische Staaten unterzeichneten im Juli sogar eine Ergebenheitsadresse an das Reich der Mitte und lobten das Vorgehen Chinas gegen die Uiguren sowie die «bemerkenswerte Erfolge» bei der Umsetzung der Menschenrechte.

China habe das Recht, «für seine nationale Sicherheit Anti-Terrorkampagnen und De-Radikalisierungsprogramme durchzuführen», sagt auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und nennt die Masseninternierung von Uiguren «richtig». Schliesslich gehört China im Ölgeschäft zu den Premiumkunden Saudi-Arabiens. Auch erhoffen sich die nahöstlichen Staaten Wirtschaftsimpulse durch Investitionen Chinas in die Neue Seidenstrasse. Bei dem jüngsten Treffen des «China Arab States Cooperation Forum» 2018 sagte China der Region Kredite von insgesamt 23 Milliarden Dollar zu.

Ägypten nimmt Uiguren fest und schafft sie aus

Vor allem Ägypten hofft, von Chinas Wirtschaftskraft zu profitieren. Kairo braucht immense Summen für seine neue Mega-Verwaltungshauptstadt. Und so zeigt sich Ägypten gegenüber delikaten chinesischen Ansinnen besonders willfährig. Als einziger arabischer Staat nahm Ägypten in den letzten beiden Jahren uigurische Studenten fest und liess sie von chinesischen Offiziellen verhören – ein besonders perfides Vorgehen, weil die über 90 Betroffenen sich in einem muslimischen Land vor ihren chinesischen Häschern sicher wähnten. Mindestens zwölf Uiguren wurden ausgeschafft. «Wer nach China zurückkommt, wird verhaftet und gefoltert», zitierte eine uigurische Website einen der Mitstudenten. Einige versuchten jetzt, aus Ägypten in die Türkei oder nach Malaysia zu entkommen. «Ich will nicht zurück nach China, ich bin Student und will mein Examen machen», sagte er.