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Syrien: Der IS ersteht in Suweida wieder auf

Der sogenannte «Islamische Staat» ist noch längst nicht besiegt. Doch die Zerstörung der sunnitischen Terrororganisation ist für die USA und Israel inzwischen zweitrangig.
Michael Wrase, Limassol
Auf der syrischen Seite der Golanhöhen werden die Kämpfe wieder heftiger. (Bild: A. Safadi/EPA; 25. Juli 2018)

Auf der syrischen Seite der Golanhöhen werden die Kämpfe wieder heftiger. (Bild: A. Safadi/EPA; 25. Juli 2018)

Das syrische Staatsfernsehen hatte die Trauerfeier für die mehr als 260 Opfer des von der Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) begangenen Massakers an der drusischen Minderheit in Süd­syrien live übertragen. Zu sehen waren endlos scheinende Reihen von einfachen Holzsärgen, bedeckt mit Fahnen der syrischen Republik. Davor standen die mit Nelkengirlanden geschmückten Fotos der Ermordeten. An den Trauerfeierlichkeiten wollten auch der Gouverneur sowie der Polizeichef von Suweida teilnehmen. Nach massiven Protesten der Bevölkerung mussten sie die Veranstaltung aber verlassen.

Regime und Armee, lautete der Vorwurf, hätten zu wenig zum Schutz der Bevölkerung getan und es zugelassen, dass 200 Terroristen mordend durch die Strassen von Suweida und angrenzender Dörfer ziehen konnten und dort ganze Familien niedermetzelten. Erst nach acht Stunden seien Armee und Polizei in der Lage gewesen, die Blutorgie der Dschihadisten zu beenden.

Heftige Vorwürfe an die US-Armee

Heftige Vorwürfe richteten die Bewohner von Suweida auch an die US-Armee, die südlich der Stadt, unweit der Grenze zu Jordanien, stationiert ist. Die Amerikaner hätten den aus mehr als 60 Fahrzeugen bestehenden Konvoi des IS gesehen und die Drusen von Suweida, die von den Dschihadisten als «Ungläubige» bezeichnet werden, warnen können.

Für Experten ist die «Wiederauferstehung des IS» keine Überraschung. Obwohl der IS fast alle seine Gebiete verlor, hätte er sich in einigen Enklaven an den Grenzen zu Israel und dem Irak festsetzen können, erklärt der britische Syrienspezialist Scott Lucas. Ziel der Dschihadistengruppe sei nicht mehr die Besetzung neuer Gebiete. Sie beschränke sich jetzt auf Terrorakte und habe sich entsprechend neu organisiert, zitiert der Beiruter «L’Orient - Le Jour» französische Expertenkreise. Dabei profitiert der IS von Schwachstellen der syrischen Armee, die in Südsyrien eine Grossoffensive gestartet hat, sowie von der Neuausrichtung der amerikanischen Nahost-Politik nach dem Amtsantritt von Donald Trump.

Der US-Präsident hatte im Frühjahr dieses Jahres den IS für «fast komplett besiegt» erklärt und den Iran und die Hisbollah als neuen Hauptfeind im Nahen Osten bezeichnet. «In Wahrheit ist die Zerstörung des Islamischen Staates nicht annähernd so wichtig wie die Konfrontation mit der iranischen Herausforderung», schrieb der ehemalige israelische Verteidigungsminister Moshe Yalon vor kurzem in einer Analyse für das «Washington Institute for Near East Policy». «Die facettenreiche Gefahr eines militaristischen, messianischen und 80 Millionen Mann starken Iran ist für die westlichen Interessen sehr viel bedrohlicher als die sunnitischen Mörder und Verbrecher des IS», heisst es in Yalons Analyse weiter. Dass der Islamische Staat und Al Kaida nicht nur Syrien und den Irak, sondern ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt haben, bleibt unerwähnt.

Bereits 2015 habe Israel seine Grenzen auf den Golanhöhen geöffnet, um verwundete Kämpfer von Al Kaida aufzunehmen und gesund zu pflegen, berichtet die «Jerusalem Post» unter Berufung auf das «Wallstreet Journal». Die «humanitäre Hilfe», argumentierte der ehemalige Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, könne nicht als «anstössig» bezeichnet werden. Schliesslich seien Hisbollah und der Iran, die lange Zeit Truppen unweit der Golanhöhen stationiert hatten, «weitaus gefährlicher als die sunnitischen Dschihadisten», die Israel in Ruhe liessen.

Zerschlagung wäre kein Problem gewesen

Seit letzter Woche wird die östliche Waffenstillstandslinie auf den Golanhöhen wieder von der Assad-Armee kontrolliert. Sie hatte die mit Al Kaida verbündete Nusra-Front und andere extremistische Gruppen zum Abzug in die an die Türkei grenzende Rebellenprovinz Idlib gezwungen. Nur im äussersten Südwesten von Syrien, im Becken des Yarmouk-Flusses, direkt an der Grenze zu Israel und Jordanien, kann sich seit fast zwei Jahren die mit dem IS verbündete «Khalid Ibn al-Walid-Armee» behaupten.

Die Zerschlagung der etwa 3000 Mann starken Terrorgruppe – von Israel oder Jordanien aus – wäre vermutlich kein Problem gewesen. Man liess die Dschihadisten aber in Ruhe. Auch die USA verzichteten auf Luftangriffe. Als die syrische Luftwaffe zu Wochenbeginn Stellungen des IS-Ablegers im Yarmouk-Becken angreifen wollte, wurde die Maschine von der israelischen Armee abgeschossen.

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